V wie vor der Geburt: Was alles passiert, bevor es ernst wird…

Wenn sie bisher der Meinung waren, dass sich ihr Leben mit dem Zeitpunkt, an dem ihr Nachwuchs das Licht der Welt erblickt, radikal ändern wird, so lassen sie sich gesagt sein, dass dieses ein massiver Irrglaube ist. Denn tatsächlich ändert sich ihr Leben schon gravierend mit dem Tag der Empfängnis…
Letztens traf ich einen werdenden Vater, gratulierte ihm und fragte ihn, wann es denn jetzt soweit wäre, als dieser anfing, bitterlich zu weinen. Ich dachte zuerst, es wären Freudentränen – bis dieser irgendwann hinauspresste: „Sie will, dass ich den Alfa verkaufe!“ Der „Alfa“ ist ein schicker Sportwagen und „Sie“ ist die werdende Mutter. Und mit denen ist bekanntlich nicht gut Kirschen essen, wenn es ums Kind und das ganze Drumherum geht. Das Drumherum ist aber quasi alles! Also passen sie auf, dass Ihnen nicht schwindelig wird vor all den Veränderungen, die ihnen in den neun Monaten drohen, bevor die Person geboren wird, die erst recht alles Gewohnte auf den Kopf stellt…
Besagter Vater kam dann übrigens unwesentlich später mit einem schicken Kombi ums Eck gefahren…
Mir fiel in diesem Moment meine eigene „Autogeschichte“ ein, als ich im Autohaus freudig erregt hinter dem Steuer eines schnittigen, sportlichen, gehobenen Mittelklassewagens saß. Autos machen Männer – und ich sah mich innerlich schon auf der Überholspur an den neidischen Blicken der Nachbarschaft vorbeiziehen, als meine schwangere bessere Hälfte den Kofferraum öffnete, in wieder zuschlug und mit einem kurzen, knappen „Vergiss es!“ meine Träume gegen die Wand fahren ließ. Seitdem fahren wir Kastenwagen. Der ist halt praktisch mit Kind…
Praktisch ist jetzt halt angesagt. Risiko ist jetzt dagegen völlig out: Da hört man als Motorradfahrer von Schwiegereltern oder Freunden auch schon mal ein strenges „Du willst ja jetzt wohl nicht mehr auf dem Ding da fahren?“ – was übersetzt so viel bedeutet wie „verkauf die Karre!“
Tun sie dass, sie haben jetzt sowieso keine Zeit mehr, ihren Hobbys zu frönen. Als Mann werden sie jetzt für wichtigere Dinge gebraucht. Zum Beispiel, um aus Ihrem Arbeits- oder Hobbyzimmer ein schnuckeliges Kinderzimmer zu machen. Wo früher die Playstation stand, malen sie dann lustige, bunte Bilder auf die Tapete und hängen Mobiles und kindgerechte Lampen auf. Auf Instruktion ihrer Frau dürfen sie auch anfangen, die Wohnung von allen möglichen Gefahrenherden zu befreien: Steckdosen absichern, Herdschutz montieren und am besten auch noch weichen Teppich auf den Stufen zu verlegen… Und nicht vergessen: Die Kindermöbel müssen auch noch zusammengeschraubt werden.
Wenn sie sowieso der perfekte Handwerker sind, können sie der Sache ja vielleicht auch was positives abgewinnen, sollten sie zu der männlichen Spezies gehören, die zwei linke Hände hat können sie sich damit trösten, dass durch diese Phase ein jeder durch muss. Es ist quasi wie bei der Pubertät – nur dass man keine Pickel bekommt…
Wenn sie glauben, dass sie sich dann mal ein bisschen Freizeit verdient haben, wird Ihre Frau sie durch diverse Geschäfte schleifen (siehe auch M wie Möbelkauf), um auch wirklich perfekt für den Tag X vorbereitet zu sein.
Und jede Wette, wenn in der Championsleague das Spiel des Jahres ansteht, findet garantiert ein Tag der offenen Tür in einem möglichen Krankenhaus statt, bei dem sie dann den Kreissaal in Augenschein nehmen dürfen. Oft stehen mehrere Krankenhäuser zur Wahl und so wird das eine Zeit lang ein fester Ausgehpunkt. Eigentlich könnte man ein Happening draus machen, man trifft ja immer wieder die gleichen Leute. Die Idee, deshalb einen Sixpack Bier mit zu nehmen, ist aber nicht empfehlenswert. Ihre männlichen Leidensgenossen wären zwar begeistert, aber schließlich rennen haufenweise Schwangere rum und es ist doch immer wieder amüsant, wie brav so mancher Sprücheklopfer ist, wenn die strenge Partnerin daneben steht…
Ebenfalls eine Zeit lang ein abendfüllender Punkt ist der Besuch eines gemeinsamen Geburtsvorbereitungskurs. Da erfährt man so allerlei Wertvolles und Praktisches. In manchen Kursen können sie sich dann tatsächlich ein bisschen in die Situation ihrer schwangeren Frau hineinversetzen, denn es gibt da einen „Anzug“, der das Gewicht und die Körperfülle einer Hochschwangeren simuliert. Da merken sie dann, was ihrer bessere Hälfte rund um die Uhr mit sich rumschleppen und ausbalancieren muss. Vorausgesetzt, sie bekommen das Ding über ihren Bierbauch drüber…
Bauch ist im Übrigen ein schönes Stichwort: der ihrer Partnerin wird ganz sicher wachsen. Die Beschwerden der Frau vorm Kleiderschrank, nichts zum Anziehen zu haben, sind also ausnahmsweise mal berechtigt… Auch wenn es schwer fällt, halten sie sich mit unpassenden Bemerkungen zurück, wenn ihnen die werdende Mutter im Laden für Umstandsmoden den neuesten Hare Krishnar look alike Fummel präsentiert – andernfalls zwingt sie sie wieder in die Schwangerschafts-Wurstpelle aus dem Geburtsvorbereitungskurs rein…
Mit jedem Schwangerschaftsmonat legen die Mädels an Gewicht zu. Das ist völlig normal. Merke: Schwangerschaft ist keine Krankheit sondern nur ein Zustand. Sollten sie mit der wachsenden Körperfülle der Partnerin ein Problem haben, empfiehlt sich eine Zeitreise ins 17. Jahrhundert in die Zeit von Peter-Paul Rubens. Bringen sie das Schönheitsideal der damaligen Zeit mit zurück und alles ist im Lot. Sollten sie keine Zeitmaschine zur Hand haben, denken sie daran, dass es wissenschaftlich erwiesen ist, dass auch der Bauch des werdenden Vaters in der Schwangerschaft dicker wird. Kurz: Ihre Frau bekommt ein Kind, woran sie ja nicht ganz unschuldig sein dürften, da sollte sie dann nicht auch noch blöde Sprüche wegen Ihrer Figur bekommen!
Tja, und dann stehen da auch noch so einige organisatorische Sachen an. Die wichtigste ist sicherlich: Wie nennen wir denn den süßen Knopf, wenn er denn mal da ist. Da haben sich ja auch schon Dramen abgespielt, wenn Mutter und Vater sich nicht auf einen Namen einigen konnten. Es haben schon Kinder tagelang namenlos im Krankenhaus rumgelegen, weil die Eltern nicht rechtzeitig in die Pötte kamen…
Da sich über Geschmack nicht streiten lässt, kann ich hier leider keine Ratschläge geben. Nur ein Hinweis: Übertreiben sie es nicht: Wenn sie Post vom Anwalt ihrer Frau bekommen, haben sie definitiv überreizt…

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