O wie Oma und Opa

Die Generationenfrage ist in der heutigen Zeit so aktuell wie eh und je. Allerdings hat sich das Rollenverständnis in den letzten Jahrzehnten etwas verändert.
Früher waren Oma und Opa in der Regel betagte, interessierte aber auch etwas distanziertere Familienmitglieder – sieht man mal von den eher auf etwas Disziplin gemünzten Erziehungstipps ab, die ungefragt erteilt wurden. Gut, ehrlicherweise kommt das heute vereinzelt auch noch vor… 😉
Das Verhältnis zu den Enkeln war ausgesprochen liebevoll und herzlich – aber wenn es turbulent wurde, tauchte die ältere Generation auch mal ganz gerne ab. Es gab ja schließlich die Eltern, die sich um den Schlamassel kümmern konnten…
Dieses Bild hat sich heutzutage radikal geändert. Und mit dem Moment, in dem sie glücklicher Vater werden stehen daher in der Regel vier nicht minder glückliche Großeltern auf der Matte. Natürlich mit der Erwartung, sich ebenfalls mit Haut und Haaren dem Kindswohl zu widmen…
Schlimme Kindheitserinnerungen kommen auf. An die gestrenge und regelmäßig schimpfende Mutter, die einen wegen der Schule immer getriezt und darüber hinaus auch immer die Nutella verboten hat. Und an den gestrengen Vater, der einem immer die Hammelbeine lang gezogen hat, wenn beim Spielen mal wieder was zu Bruch ging. Und dann diese Herzlosigkeit: Bis heute habe ich es nicht verwunden, dass ich nie den Super Hero mit dem coolen Schwungarm bekommen habe, mit dem ich jedes Mädchen mit ihren jämmerlichen Barbies in den Schatten gestellt hätte…
Kann man solchen Leuten ruhigen Gewissens die eigenen Kinder anvertrauen, die es doch mal viel besser als man selber haben sollen?
Die Antwort ist natürlich ein uneingeschränktes JA!
Denn dass sie selbst überhaupt in der Lage sind, ein Kind zu erziehen, haben sie mit Sicherheit der Liebe ihrer Eltern zu verdanken, die für sie auch manchmal durch das Tal der Tränen gegangen sind, die das Elterndasein bisweilen mit sich bringt…
Und dann hilft da auch noch Mutter Natur nach, die bei der vormals so gestrengen Großmutter so einen der Amnesie ähnlichen Prozess startet. Das hat zur Folge, dass sie es mit der harten Erziehung nicht mehr so genau nimmt. Kurz gesagt darf das Enkelkind in der Regel so ziemlich alles. Und wenn beim Spielen mal was zu Bruch geht, dann zieht Opa eher ihnen die Hammelbeine lang, dafür, dass sie so einen maroden Schrott zu spielen anschleppen…
Man könnte also meine, die Großelterngeneration wird altersmilde. Aber tatsächlich sind die Alten gar nicht mehr alt. So ab Mitte 60, wenn die Enkel kommen, startet die Großelterngeneration noch mal richtig voller Energie durch. Bei der Schlagzahl an Events, die Oma und Opa mit den Enkelchen an den Tag legt, ist das auch bitter nötig. Zoobesuche, Fußballspiele, der Kurztrip in den Centerpark, Eis essen gehen, Freizeitpark, und so weiter und so weiter. Das hält jung und fit. Alt und klapprig können Oma und Opa ja noch werden, wenn die Enkelschar in der Pubertät dann auch der ältesten Generation die kalte Schulter zeigt…
Mit höchstem körperlichen Einsatz stürzen sich Omi und Opi heute also mit der Geburt des Zwergs ins Getümmel. Lassen sie sie machen! Alleine das glückstrahlende, gefühlt 20 Jahre jüngere Gesicht der Oma, wenn die beim Baby mal die Windeln wechseln darf, sollte Grund genug sein, ihren Eltern zuzutrauen, dass ihre Kinder bei ihren Großeltern in guten Händen sind. Und schließlich haben ihre Eltern sie ja auch irgendwie groß bekommen…
Mit zunehmender Mobilität der Kleinen wird die Sache körperlich anspruchsvoller. Opa japst dann beim Fußballspielen hinter dem Ball her und kann froh sein, wenn er nicht umgegrätscht wird, Oma erzielt Geschwindigkeitsrekorde beim Laufradfahren. Und auch wenn es in den vier Wänden prinzipiell etwas weniger anstrengend zugehen sollte, ist auch hier eine gewisse Vorsicht geboten. Da wird dann nicht nur mit der Holzeisenbahn gespielt, da kommt es gerne auch mal zum generationsübergreifenden Raufen. Und auch bei ganz ruhigen Tätigkeiten drohen Gefahren. Wenn das Töchterlein mit Oma Schminken spielen will, sortieren sie die nicht abwaschbaren Eddings vorher aus. Sonst rennt Oma wochenlang mit indianischer Kriegsbemalung durch die Gegend…
Und wenn der von der holden Jugend als Trampolinersatz missbrauchte Opa röchelnd und nach Lupft japsend auf dem Boden liegt und die zur Vogelscheuche geschminkte und vom Catchen lädierte Oma durch die Flure hinkt, sollten sie daran denken, sie haben nicht nur eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Kindern – sondern auch gegenüber ihren engsten Verwandten. Lassen sie nicht zu, dass ihre junge Brut die Gesundheit der älteren Generation aufs Spiel setzt, sie brauchen sie in jeder Hinsicht noch! In erster Linie natürlich einfach als liebevolle Menschen! Und dann kann man sich natürlich auch mal die Frage stellen, wie sähe ihr Alltag eigentlich ohne die regelmäßigen familiären Unterstützungshilfen aus, für die die Großeltern zur Verfügung stehen? Arztbesuche mit dem Kind, Babysitting beim kranken Kind oder am Abend, damit sie mal frei haben, die ganzen Bringdienste zu Kinderveranstaltungen, Kita, Schule, Essen kochen, etc., etc.,  etc. Von dem finanziellen Einsatz mal ganz zu schweigen. Alleine schon deshalb muss die Altersarmut vehement bekämpft werden…
Freuen sie sich also, wenn die jüngste und die älteste Generation ein tolles Verhältnis miteinander haben und gerne füreinander da sind. Genießen sie die Durchschnaufer, die ihnen der Einsatz ihrer Eltern bzw. Schwiegereltern verschafft. Aber seien sie sich dieser Hilfe auch bewusst und lassen sie das Oma und Opa auch mal mit einem fetten Dankeschön wissen.
In ferner Zukunft werden sie dann Oma oder Opa sein. Da werden sie dann eine Menge Energie brauchen, wenn der Enkel sie beim Nachspielen von Star Wars  Episode 83 mit dem Lichtschwert durch die Flure jagt oder die Enkelin sie auf dem Spielplatz zu Turnübungen an der Stange zwingt. Denken sie also schon jetzt daran, dass sie diese Energie vermutlich auch deshalb haben, weil Ihnen heute jemand den Rücken frei hält und sie sonst völlig auf dem Zahnfleisch gehen würden…
Noch ein kleiner Tipp: Damit es ihre Kinder später leichter haben, auch ihnen vorbehaltlos die Enkelkinder anzuvertrauen, Super Hero Figuren gibt es auch heute noch. Kosten ca. 15 Euro. Für die Zukunft gut angelegtes Geld…

V wie vor der Geburt: Was alles passiert, bevor es ernst wird…

Wenn sie bisher der Meinung waren, dass sich ihr Leben mit dem Zeitpunkt, an dem ihr Nachwuchs das Licht der Welt erblickt, radikal ändern wird, so lassen sie sich gesagt sein, dass dieses ein massiver Irrglaube ist. Denn tatsächlich ändert sich ihr Leben schon gravierend mit dem Tag der Empfängnis…
Letztens traf ich einen werdenden Vater, gratulierte ihm und fragte ihn, wann es denn jetzt soweit wäre, als dieser anfing, bitterlich zu weinen. Ich dachte zuerst, es wären Freudentränen – bis dieser irgendwann hinauspresste: „Sie will, dass ich den Alfa verkaufe!“ Der „Alfa“ ist ein schicker Sportwagen und „Sie“ ist die werdende Mutter. Und mit denen ist bekanntlich nicht gut Kirschen essen, wenn es ums Kind und das ganze Drumherum geht. Das Drumherum ist aber quasi alles! Also passen sie auf, dass Ihnen nicht schwindelig wird vor all den Veränderungen, die ihnen in den neun Monaten drohen, bevor die Person geboren wird, die erst recht alles Gewohnte auf den Kopf stellt…
Besagter Vater kam dann übrigens unwesentlich später mit einem schicken Kombi ums Eck gefahren…
Mir fiel in diesem Moment meine eigene „Autogeschichte“ ein, als ich im Autohaus freudig erregt hinter dem Steuer eines schnittigen, sportlichen, gehobenen Mittelklassewagens saß. Autos machen Männer – und ich sah mich innerlich schon auf der Überholspur an den neidischen Blicken der Nachbarschaft vorbeiziehen, als meine schwangere bessere Hälfte den Kofferraum öffnete, in wieder zuschlug und mit einem kurzen, knappen „Vergiss es!“ meine Träume gegen die Wand fahren ließ. Seitdem fahren wir Kastenwagen. Der ist halt praktisch mit Kind…
Praktisch ist jetzt halt angesagt. Risiko ist jetzt dagegen völlig out: Da hört man als Motorradfahrer von Schwiegereltern oder Freunden auch schon mal ein strenges „Du willst ja jetzt wohl nicht mehr auf dem Ding da fahren?“ – was übersetzt so viel bedeutet wie „verkauf die Karre!“
Tun sie dass, sie haben jetzt sowieso keine Zeit mehr, ihren Hobbys zu frönen. Als Mann werden sie jetzt für wichtigere Dinge gebraucht. Zum Beispiel, um aus Ihrem Arbeits- oder Hobbyzimmer ein schnuckeliges Kinderzimmer zu machen. Wo früher die Playstation stand, malen sie dann lustige, bunte Bilder auf die Tapete und hängen Mobiles und kindgerechte Lampen auf. Auf Instruktion ihrer Frau dürfen sie auch anfangen, die Wohnung von allen möglichen Gefahrenherden zu befreien: Steckdosen absichern, Herdschutz montieren und am besten auch noch weichen Teppich auf den Stufen zu verlegen… Und nicht vergessen: Die Kindermöbel müssen auch noch zusammengeschraubt werden.
Wenn sie sowieso der perfekte Handwerker sind, können sie der Sache ja vielleicht auch was positives abgewinnen, sollten sie zu der männlichen Spezies gehören, die zwei linke Hände hat können sie sich damit trösten, dass durch diese Phase ein jeder durch muss. Es ist quasi wie bei der Pubertät – nur dass man keine Pickel bekommt…
Wenn sie glauben, dass sie sich dann mal ein bisschen Freizeit verdient haben, wird Ihre Frau sie durch diverse Geschäfte schleifen (siehe auch M wie Möbelkauf), um auch wirklich perfekt für den Tag X vorbereitet zu sein.
Und jede Wette, wenn in der Championsleague das Spiel des Jahres ansteht, findet garantiert ein Tag der offenen Tür in einem möglichen Krankenhaus statt, bei dem sie dann den Kreissaal in Augenschein nehmen dürfen. Oft stehen mehrere Krankenhäuser zur Wahl und so wird das eine Zeit lang ein fester Ausgehpunkt. Eigentlich könnte man ein Happening draus machen, man trifft ja immer wieder die gleichen Leute. Die Idee, deshalb einen Sixpack Bier mit zu nehmen, ist aber nicht empfehlenswert. Ihre männlichen Leidensgenossen wären zwar begeistert, aber schließlich rennen haufenweise Schwangere rum und es ist doch immer wieder amüsant, wie brav so mancher Sprücheklopfer ist, wenn die strenge Partnerin daneben steht…
Ebenfalls eine Zeit lang ein abendfüllender Punkt ist der Besuch eines gemeinsamen Geburtsvorbereitungskurs. Da erfährt man so allerlei Wertvolles und Praktisches. In manchen Kursen können sie sich dann tatsächlich ein bisschen in die Situation ihrer schwangeren Frau hineinversetzen, denn es gibt da einen „Anzug“, der das Gewicht und die Körperfülle einer Hochschwangeren simuliert. Da merken sie dann, was ihrer bessere Hälfte rund um die Uhr mit sich rumschleppen und ausbalancieren muss. Vorausgesetzt, sie bekommen das Ding über ihren Bierbauch drüber…
Bauch ist im Übrigen ein schönes Stichwort: der ihrer Partnerin wird ganz sicher wachsen. Die Beschwerden der Frau vorm Kleiderschrank, nichts zum Anziehen zu haben, sind also ausnahmsweise mal berechtigt… Auch wenn es schwer fällt, halten sie sich mit unpassenden Bemerkungen zurück, wenn ihnen die werdende Mutter im Laden für Umstandsmoden den neuesten Hare Krishnar look alike Fummel präsentiert – andernfalls zwingt sie sie wieder in die Schwangerschafts-Wurstpelle aus dem Geburtsvorbereitungskurs rein…
Mit jedem Schwangerschaftsmonat legen die Mädels an Gewicht zu. Das ist völlig normal. Merke: Schwangerschaft ist keine Krankheit sondern nur ein Zustand. Sollten sie mit der wachsenden Körperfülle der Partnerin ein Problem haben, empfiehlt sich eine Zeitreise ins 17. Jahrhundert in die Zeit von Peter-Paul Rubens. Bringen sie das Schönheitsideal der damaligen Zeit mit zurück und alles ist im Lot. Sollten sie keine Zeitmaschine zur Hand haben, denken sie daran, dass es wissenschaftlich erwiesen ist, dass auch der Bauch des werdenden Vaters in der Schwangerschaft dicker wird. Kurz: Ihre Frau bekommt ein Kind, woran sie ja nicht ganz unschuldig sein dürften, da sollte sie dann nicht auch noch blöde Sprüche wegen Ihrer Figur bekommen!
Tja, und dann stehen da auch noch so einige organisatorische Sachen an. Die wichtigste ist sicherlich: Wie nennen wir denn den süßen Knopf, wenn er denn mal da ist. Da haben sich ja auch schon Dramen abgespielt, wenn Mutter und Vater sich nicht auf einen Namen einigen konnten. Es haben schon Kinder tagelang namenlos im Krankenhaus rumgelegen, weil die Eltern nicht rechtzeitig in die Pötte kamen…
Da sich über Geschmack nicht streiten lässt, kann ich hier leider keine Ratschläge geben. Nur ein Hinweis: Übertreiben sie es nicht: Wenn sie Post vom Anwalt ihrer Frau bekommen, haben sie definitiv überreizt…

I wie Igitt oder: Wie sauber sind eigentlich Kinder?

Vor langer, langer Zeit – zu meinen Jugendzeiten (ja, die gab es wirklich mal…) kann ich mich an eine Episode der „Schwarzwaldklinik“ erinnern, in der eine Geburt gezeigt wurde: Die werdende Mutter hechelte ein bisschen rum und kurze Zeit später erschien ein wie aus dem Ei gepelltes, schweinchenrosanes Baby, welches den jungen Eltern, kaum hatte es das Licht der Welt erblickt, mit bereits trockenen und gekämmten Haaren in die Arme gedrückt wurde. Im wahrsten Sinne eine „saubere“ Sache…
Wenn Sie noch nicht das Vergnügen hatten, Vater zu werden, sind sie womöglich auch den Medien auf den Leim gegangen, die es damals wie heute da nicht immer so ganz genau nehmen und sie glauben lassen wollen, dass Kinder mit der Wahl des richtigen Hygieneprodukts eine „saubere Sache“ sind. Genau genommen verhält es sich hier wie mit dem Weihnachtsmann. Jung und naiv glaubt man dran, mit wachsender Erfahrung kommen dann leise Zweifel und irgendwann hat man alles durchschaut und weiß, dass es ein schönes Hirngespinst ist…
Wenn Sie bereits Kinder haben oder näher kennen, wissen sie, dass das mit der Sauberkeit natürlich totaler Blödsinn ist. Denn um eines klarzustellen: Kinder sind nicht sauber! Und wo sie sind, ist es das übrigens auch nicht… Und weil das der Liebe zu ihnen keinen Abbruch tut, kann man ja auch mal drüber reden…
Daher räumen wir hier mal gnadenlos mit dieser Mär auf und bringen ein paar Fakten:
Natürlich sind Babys nach der Geburt schön sauber und zartrosa – allerdings muss man erst mal Schrubben, bis man das Schweinchenrosa auch freigelegt bekommt… Und dass ein Kreissaal nach der ein- oder anderen Geburt ausschaut wie nach einem Gemetzel passt auch nicht gerade in das Bild von Sauberkeitsfanatikern.
Kaum hat der Frischling bei Muttern angedockt, beginnt die „Bäuerchen-Phase“. Sollten sie nicht von Anfang an vorsorgen und ihren Schulterbereich mit einem Tuch abdecken, werden sie spätestens nach dem ersten „Malheur“ darauf kommen, das dieses eine gute Idee wäre, denn in den seltensten Fällen bleibt alles drin, was Baby gierig an der Mutterbrust abgegriffen hat. Es sei denn, sie stehen drauf, wenn sich ein warmer, leicht vorverdauter, weisslicher Schlabber-Schleim mit fein süsslicher Note in ihren Hemdkragen ergießt… Für die ganz Harten noch ein Geheimtipp: Riecht angetrocknet wirklich ausgesprochen lecker…
Allen Werbeversprechungen zum Trotz kann selbst die beste Windel nicht verhindern, dass das menschliche Bedürfnis sehr groß ausfallen kann und bisweilen nicht mehr im gesunden Verhältnis zur Körpergröße des/der Betroffenen steht. Kurz: Wenn ihr Nachwuchs mit starren, aufgerissen, quasi pressenden Augen im Kinderwagen liegt und sich die goldenen Löckchen plötzlich braun färben, weil alles aus dem Body quillt, könnte es angebracht sein, nicht nur die Windel sondern die komplette Kleidung zu wechseln. Baden kann dann im Übrigen auch nicht schaden…
Und auch bei allzu menschlichen Ausdünstungen brauchen sie ein dickes Fell, denn ihre Geruchsknospen werden da bisweilen auf eine harte Probe gestellt. Wenn sie Pech haben, bekommen sogar sie selbst dann dafür noch ihr Fett weg, denn im Supermarkt glaubt ihnen ja keine Sau, dass dieser bestialische Gestank von einem derart huldvollen, süßen Wesen kommt. Strafende, angewiderte Blicke werden ihnen sicher sein…
Spätestens mit dem Beginn der Aufnahme von halbwegs fester Kost durch den jungen Erdenbürger sollten sie darüber nachdenken, ihre Ekelgrenze zu senken. Denn dann wird der angematschte, weichgelutschte und somit leicht schleimige Keks oder Zwieback der beste Freund ihres Kindes. Das ist kein Augenschmaus. Im garantiert unpassenden Moment will dieses den aber plötzlich nicht mehr essen. Ein Mülleimer ist mit Sicherheit nicht zu finden, Umweltsünder wollen sie auch nicht sein, einfach wegschmeißen geht also nicht. Preisfrage: Wo geht der Schleimi-Keks hin? Richtig! Man selbst erbarmt sich. Also selber essen. Sollten Sie ein C-Promi sein, die perfekte Vorbereitung auf das Dschungelcamp… Zugegeben, es ist noch Luft nach oben auf der Genußskala, aber man wird pragmatisch, wenn man kleine Kinder hat…
Mit diesem Pragmatismus nimmt man auch andere Verwendungszwecke des Schleim-Kekses gelassen zur Kenntnis. Die Zwieback Patina zum Beispiel: breiig verteilt entwickelt er mit zunehmender Trocknung eine wunderbare Schutzschicht auf ihrem Tisch, die sie kaum noch runter bekommen. Werten sie es als Beitrag der jüngsten Generation zum Werterhalt des Familieneigentums und erinnern sie sich wohlwollend daran, wenn die Zöglinge später beim verzweifelten Versuch, mit Messer und Gabel zu essen, denselben Esstisch in Mitleidenschaft ziehen…
Mit dem Eintritt ins lauffähige Alter geben sich viele Eltern der Illusion hin, dass man mit den Kindern über Hygiene reden kann. Tun sie das, dann haben sie wenigstens ein Gewissen, das rein ist, was man von den Fingernägeln ihrer Kinder oder bestenfalls der ganzen Hand, die in den schönsten Schwarztönen prangen, sicherlich nicht immer behaupten kann. Hände waschen sehen viele Kinder eben als Zeitverschwendung an. Zeitverschwendung ist für Kinder auch gerne mal, die Schuhe auszuziehen, wenn sie von oben bis unten zugeschlammt aus dem Matschloch im Garten in die gerade erst hochglanzpolierte Wohnung kommen. Statt selbst die Contenance zu verlieren sollten sie in diesem Fall lieber wohlwollend zur Kenntnis nehmen, dass sie diesmal nicht für die hysterischen Schreiattacken ihrer Frau verantwortlich sind.
Sie werden pragmatisch, ihre künftigen Erben sind es schon: Wenn sie ihre Kinder wegen der ständig laufenden Rotznase zum Nase putzen animieren, löst der Nachwuchs das Problem mit einem herzhaften „Kuschler“ mit ihnen, danach kommt ein trockenes „ist jetzt sauber“ und sie dürfen anschließend sehen, wie sie den Schmodder vom Pulli kriegen…
Als Horizonterweiterung sollten sie auch die Schimmelkulturen in den Kinderzimmern sehen, die sich aus dem mit ins Kinderzimmer genommenen Essen entwickeln. Unglaublich, dass Tomaten auch schwarz sein können. Und so ein Apfel-Streuselkuchen entwickelt erst nach einer angemessen Lagerfrist bei Zimmertemperatur ein wirklich ansehnliches Farbspektrum von gelb über blau bis dunkelbraun… Das sieht zumindest schöner aus als wenn die Fruchtschicht des Obstkuchens fachmännisch abgeleckt wird, wie es auch mal gerne vom Genußkind praktiziert wird. Zurück bleibt dann ein undefinierbares Etwas, was vorher mal der Teig war und ein total verschmiertes, grinsendes Kindergesicht, was die Ästheten unter uns in panikartige Zustände versetzen kann. Es soll schon findige Erfinder geben, die aufstellbare Pappwände für Esstische am Markt platziert haben, damit den Eltern beim Betrachten der Tischmanieren ihrer Kinder nicht schlecht wird…
Also, Kinder sind nicht sauber, wollen es offensichtlich nicht sein, und ob es ihnen passt oder nicht, sie werden damit leben können. Gewinnen sie dem Dreck und der mangelnden Hygiene eher die positiven Dinge ab: Seien sie begeistert, wenn die Kinder bei der ersten Klassenfahrt den Koffer quasi unausgepackt wieder nach Hause bringen und eine Woche dieselben Klamotten anhatten – das spart ihnen eine Wäsche. Und seien sie sicher, nichts hält ewig, auch die „Schmuddelphase“ nicht: Spätestens mit der Pubertät stehen die Bürschchen dann jeden Tag eine Stunde unter der Dusche…

 

J wie Jammern

Wir waren schon Papst, sind Exportweltmeister, weltweit sind 80 Prozent der Steuerlektüre in Deutsch verfasst, wir sind derzeit Fußballweltmeister…
Das ist ja alles schön und gut, aber wenn es eine Sache gibt, in der wir in Deutschland geradezu unschlagbar sind, gewissermaßen Weltmeister auf Lebenszeit, dann ist es ja wohl das Jammern und Nölen.
Um in der Weltspitze an vorderster Front mitwirken zu können ist wie in allen Disziplinen eine Sache zwingend erforderlich: hartes Training von frühester Jugend an! In dieser Sache geht unser Nachwuchs keinerlei Kompromisse ein. Schon zum frühesten Zeitpunkt, wenn selbst das geneigte Ohr der Elternschaft die Artikulation der Wonneproppen nur als Blubbern und Grunzen wahrnehmen kann, ist schon der leicht genervte, auf Dauer leider nervtötende Unterton nicht zu überhören, wenn es aus Sicht des Sprösslings nicht so läuft wie gewünscht…
Nun muss man Babys zugute halten, dass sie halt nicht mal eben sagen können, wenn sie was brauchen oder wollen und so ist es auch völlig richtig und nachvollziehbar, dass sie sich als liebevolle Eltern um die Bedürfnisse ihres Schutzbefohlenen kümmern.
Die Sache hat natürlich einen Haken: Je mehr sie auf das Gejammer eingehen, desto mehr verfestigt sich beim Kind der Eindruck, dass dies ein erfolgreiches Mittel zum Erfolg ist, die eigenen Vorstellungen durchzudrücken. Das kann auch dann noch sehr erfolgreich eingesetzt werden, wenn man die Phase des hilflosen Würmchens schon längst durchschritten hat. Ich brauche nicht zu betonen, dass auch Phonstärke und Nervgrad mit zunehmenden Alter perfektioniert werden…
Zugegebenerweise: Da waren wir früher ja auch schon gut dabei: Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich um die Spielsachen aus dem Quelle Katalog gebettelt habe – leider waren die für mich so unerreichbar wie der Yeti für Reinhold Messner. Also, auch unsere Generation hat es da schon auf ein beachtliches Niveau gebracht.
Die nachkommende Generation scheint das aber noch zu toppen: Und daher wird fleißig weiter gejammert und genöhlt, bei allen möglichen Gelegenheiten. Besonders gerne beim Essen: Wenn das Essen nicht schmeckt, wenn das Essen angeblich zu heiß ist, wenn das Essen angeblich zu kalt ist, wenn es angeblich komisch aussieht, wenn es angeblich nicht auf dem richtigen Teller ist, und so weiter, und so weiter… Der Grund ist also quasi egal. Die Konsequenz dagegen ist vielschichtig: Sie reicht vom winselnden Jaumern im Hochfrequenzbereich bis zu theatralischen, entrüsteten, verbalen Ausfallerscheinungen, zum Höhepunkt gerne auch schon mal schreiend dargebracht…
Gewissermaßen ein Trainingslager für angehenden Mega-Jammerlappen ist der Einkauf im Supermarkt. Wer kennt sie nicht, die Heulbojen im Schlepptau genervter Eltern, die wegen Überraschungsei, Gummibärchen oder Playmobil schon ahnungslose Mitbürger panikartig aus dem Geschäft getrieben haben, da diese der Meinung waren, die Brandmeldeanlage hätte angeschlagen…
Sind die Kommerzgelüste der Jugend noch relativ leicht als völlig überflüssig zu identifizieren, so ist es bei körperlichen Gebrechen deutlich schwieriger, heraus zu finden,  ob ein ernsthafter Grund vorliegt. Denn das Fiese an dieser Methode ist, sie wird natürlich völlig willkürlich eingesetzt und es bedarf somit einiger Erfahrung, um heraus zu bekommen, ob ein tatsächlicher, berechtigter Grund für das Jammern vorliegt oder ob die Jugend mal einfach keinen Bock hat…
Eine kleine Anekdote als Beispiel:
Als ich meine jüngste Tochter letztens in der Kita abholte, wurde ich dort stürmisch und voller Energie begrüßt. Ich brauchte eine Zeit, bis ich Madame soweit hatte, sie auch mit nach Hause zu nehmen, schließlich musste sie erst noch ein bisschen mit anderen Kindern herumtoben.
Bestens gelaunt verließen wir die Kita – bis sie nach ein paar Metern auf dem Parkplatz plötzlich stehen blieb und sich vergeblich nach unserem Auto umsah.
Sie: „Wo ist denn das Auto?“
Ich: „Ich bin zu Fuß hier“
Sie: „Wie, zu Fuß?“
Ich: „Wir müssen laufen!“
Schweigen. Danach verfinsterte sich ihr Blick, nahm plötzlich traumatisiert Züge an und ich bekam im jaumerhaften Ton zu hören: „Ich kann nicht laufen, ich bin müde, meine Beine tun weh, du sollst mich tragen!“
Das half nix, denn ich hatte ja wirklich kein Auto und aufgrund eines gesunden Misstrauens kam Tragen auch nicht in Frage. Somit schlurfte Madame gezwungenermaßen und missmutig mit mir von dannen, besser, ich zog das liebe Töchterlein im Stil einer Lokomotive durch die Gegend, als „Gegenleistung“ gab es von ihr in Dauerschleife im herzerweichenden Ton ein „ich kann nicht laufen, ich bin müde, meine Beine tun weh, du sollst mich tragen!“
Die uns entgegen kommenden Mitmenschen mit ihren vorwurfsvollen Blicken hätte ich am liebsten angeblafft: „Nein, sie hat kein zweiwöchiges Survivalcamp im Himalaya hinter sich, sie hat nur keine Lust zu laufen!“ Stattdessen habe ich Rabenvater mich vergeblich nach einem Geschäft umgesehen, wo man Ohrenstöpsel kaufen kann…
Nach der Hälfte der Strecke – erstaunlicherweise als es über Treppen steil bergauf ging – riss sich meine Fußkranke plötzlich los, stürmte die Treppe rauf, kletterte auf eine Mauer, sprang auf einen Laternenpfahl, rutschet begeistert runter, rannte die Treppe wieder hinunter, kletterte die Mauer wieder hoch, sprang und rutschte wieder und wiederholte das Ganze ein paar Mal.
Und was passierte unglaubliches, als ich endlich weiter gehen wollte: Mit tränenerstickter Stimme kam – na was wohl? „Ich kann nicht laufen, ich bin müde, meine Beine tun weh, du sollst mich tragen!“
Und so zuckelten wir also jammernd nach Hause, wo sie sich dann bestens gelaunt an ihrer Turnstange vergnügte…
Was lernen wir daraus? Zwei Dinge: Konsequent bleiben – und immer Ohrenstöpsel dabei haben…

L wie Liedgut

Sie sind gerade Vater geworden? Der neue Erdenbürger brabbelt noch unverständliches Zeugs vor sich her? Sie stellen sich bereits jetzt vor, wenn ihr Kind zum ersten Mal „Papa“ sagt? Und ihre Phantasie geht noch viel weiter und sie stellen sich vor, wie sie gemeinsam mit ihrem Kind kommunizieren, sie sich gegenseitig Geschichten erzählen und gemeinsam Kinderlieder singen?
Ja, das alles wird wahr! Sie sind ein glücklicher Mensch!
Allerdings – und das ist die kleine Einschränkung – auch ihr Kind hat Phantasie. Manchmal mehr, als einem lieb ist. Ganz sicher wird es eine Phase geben, in der ihr Kind so ziemlich alles Gesagte mit liebevollen Zugaben wie „Kaka“, „Pippi“ oder „Pups“ ergänzt. Das Ganze garniert mit schallendem Gelächter. Geben sie sich keine Mühe, es ihrem Spross auszutreiben. Hoffnungslos. Freuen sie sich lieber, dass die Jugend so gute Laune hat. Es kommen später noch ganz andere Zeiten, da werden sie sich wahrscheinlich nach „Kaka“, „Pippi“ und „Pups“ zurücksehnen…
Insbesondere beim Singen zeigt sich die durchaus vorhandene, wenn auch manchmal etwas verborgene Kreativität des Nachwuchs. Das deutsche Liedgut ist schön. Bisweilen fehlt allerdings der Pep – wie gut, dass unsere Sprösslinge da Abhilfe schaffen. Das damit gelegentlich eine gewisse Sinnentfremdung  einhergeht – geschenkt. Muss man in Zeiten, wo sich die Jugend von klein auf an hinter irgendwelchen Nintendos oder Smartphones versteckt, nicht froh sein, wenn unsere Lieblinge überhaupt singen?
Da fällt es dann auch nicht so ins Gewicht, wenn der Junior beim Geburtstagsanruf für Tante Anna nicht das normale „Happy Birthday“ zum Besten gibt sondern ungefragt die leicht abgewandelte „Essens“-Version kräht:
„Happy Birthday to you, Marmelade im Schuh, Aprikose in der Hose, und `ne Bratwurts dazu.“ Sofern sie nicht Vegetarierin ist wird Tante Anna begeistert sein!
Kinder brauchen Vorbilder. Ganz offensichtlich greifen sie dabei aber nicht auf das zurück, was ihnen die Erwachsenenwelt huldvoll anbietet sondern stricken sich die nach eigenem Gusto, wie die völlig sinnentfremdete Version von „St. Martin“ zeigt, die in Kitas oftmals zu vernehmen ist.

„Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin ritt durch Pommes und Salat. Sein Ross steht still beim Cola Automat. Sankt Martin wirft `ne Münze rein, und trinkt die Cola wie ein Schwein!
Im Schnee saß, Im Schnee saß, Im Schnee da saß ein reicher Mann, hat Kleider an wie Supermann.
‚Oh, helft mir doch, in meiner Not, und ich schmier dir ein Nutellabrot!‘

Geht es auf Weihnachten zu – wohlgemerkt dem Fest der Liebe – werden die Texte handfester, so als hätten unsere Kleinen ein untrügliches Gespür dafür, wie man sich bestmöglich daneben benehmen kann.  „Oh Tannenbaum“  in der Kinder-Version ist da ein schönes Beispiel. Es kommt besonders gut, wenn man gemeinsam mit den Großeltern feiert.  Neben der Tanne ist allerdings auch Oma grün vor Schreck, wenn sie hört, was mit ihrem Gatten passiert:

„Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, der Opa hängt am Gartenzaun, die Oma ruft die Feuerwehr, die Feuerwehr kommt nackig her“…

Und wenn sie auf friedliche und beschauliche Weihnachten stehen, sollten sie den Gassenhauer „in der Weihnachtsbäckerei“ tunlichst meiden. Denn offensichtlich fehlt es den Kindern auch hier an ausreichender Action: Hier noch einmal der Originaltext:

„In der Weihnachtsbäckerei gibt es manche Kleckerei, zwischen Mehl und Milch macht so mancher Knilch eine riesengroße Kleckerei, in der Weihnachtsbäckerei.“

Und das machen die lieben Kleinen daraus:

„In der Weihnachtsbäckerei, gibt es manche Schlägerei, zwischen Mehl und Brot liegt der Bäcker tot, eine riesengroße Schweinerei, in der Weihnachtsbäckerei“.

Nach einem ersten Schreck fällt mir hierzu nur ein, dass Musik machen und insbesondere das Singen Menschen stark macht. Das suggeriert zumindest ein Plakat in der hiesigen Musikschule. Da heißt es dann, dass das Singen die Persönlichkeit stärkt. Das macht mir Hoffnung. Und auch, wenn man sich fragt, was da wohl gefrühstückt wurde, wenn den Kindern solch sinnfreien Liedtexte einfallen, macht einem als Vater insbesondere die vollmundig Aussage der Musikschulprofis Mut, die da gut sichtbar aushängt: „Menschen, die Musik machen, brauchen keine Drogen!“ Über eine kleine Ergänzung – handschriftlich und in Krakelschrift, muss ich dann doch schmunzeln. Da steht: „Stimmt! Zum Beispiel Joe Cocker, Amy Winehouse, David Bowie, die Stones…“

S wie Sex

Harald Schmidt hat mal gesagt: „97 Prozent des Tages denken Männer an Sex, die übrigen 3 Prozent haben sie welchen“. Über  ähnliche Zahlen aus Sicht der Frauen hat er nichts gesagt. Das würden die Männer vermutlich nicht verkraften… Über das Thema, dass die Männerphantasien in den seltensten Fällen von der holden Weiblichkeit erwidert werden, sind vermutlich schon tausende Bücher geschrieben worden, ohne dass die Menschheit in dieser Frage einen Schritt weiter gekommen wäre… Da ist es für das Männerherz doch eine wahre Wonne, wenn die gemeinsame Entscheidung gefallen ist, für Nachwuchs zu sorgen. Bedeutet das doch, dass Mann und Frau regelmäßig und einvernehmlich in die Kiste steigen. Es könnten paradiesische Zustände für den Mann sein. Wäre da nicht die Frau und die aus ihrem Kopf entsprungenen Begleitumstände. Wenn sich nämlich eine Frau in den Kopf gesetzt hat, Mutter werden zu wollen, so tut sie das nicht triebgesteuert wie ein Mann, nein, sie macht das nach einem Plan. Das wann und wie bestimmt also die Mutter in spe. Und je nachdem, wie radikal Madame das auslebt, fühlt sich der anfangs euphorische werdende Vater irgendwann wie ein Zuchtbulle, der zu festgelegten Zeiten zu leisten hat… Es soll Heerscharen an traumatisierten Vätern geben, die unter Weinkrämpfen davon berichten, das Zeugen des Nachwuchses sei nicht lustvoll sondern harte Arbeit gewesen.
Denn Frauen mit Kinderwunsch sind unerbittlich. Da wird nichts dem Zufall überlassen. Wenn irgendwie möglich auch nicht das Geschlecht des gewünschten Nachwuchs.
Da gibt es ja die Geschichte, dass Mann durch die Wahl der Duschwasser-Temperatur das mögliche Geschlecht beeinflussen kann. Männer sind Weicheier, das fängt schon als Spermie an. Sie sind zwar schneller, machen aber auch schneller schlapp. Und: Sie vertragen keine Hitze. Folglich: Heiß duschen = Mädchen. Es haben sich schon fürchterliche Dramen im Badezimmer abgespielt, wenn die bessere Hälfte den hilflosen Mann entweder brühend heiß oder eisekalt abgeduscht hat, beseelt von der Hoffnung, dem Wunschgeschlecht ein bisschen auf die Sprünge zu helfen…
Enge Hosen sollen ebenfalls den weiblichen Spermien und somit der künftigen Prinzessin einen Vorsprung verschaffen. Wenn sie also einen bemitleidenswerten Geschlechtsgenossen im Trippelgang, sich ständig im kneifenden Schritt haltend, durch die Stadt herumirren sehen, provozieren sie diesen bitte nicht noch mit Sprüchen wie „ein Junge wäre doch viel cooler“ – er macht gerade eine harte Zeit durch…
In vielen Fällen führt die weibliche Strategie zum Erfolg und es stellt sich die erhoffte Schwangerschaft ein. Wir befinden uns jetzt in der nächsten kritischen Phase. Der überforderte Mann sieht sich jetzt einer emotional stark schwankenden Persönlichkeit gegenüber. Was den Sex angeht, äußert sich das in zwei möglichen Ausprägungen: Die Schwangere hat entweder nymphomanische Veranlagungen oder sie lebt auf einmal geradezu abstinent. Beide Zustände stressen den werdenden Vater, der sich nach der Zuchtbullenphase nach Ruhe sehnt und diese entweder nicht bekommt, weil ihm die Partnerin unmissverständlich klar macht, dass die Schäferstündchen nur zum Holen von sauren Gurken unterbrochen werden dürfen oder die ersehnte Ruhe dann erheblich länger dauert als von ihm gewollt…
Darüber hinaus hat auch der unsensible Mann von heute seine weichen Ecken. Spätestens mit dem wachsenden Babybauch bekommt der ein oder andere Beklemmungen, und die ansonsten nicht als Kostverächter bekannte männliche Spezies bekommt ihren Moralischen. Als Beispiel darf hier ein Zitat aus dem Film „der bewegte Mann“ dienen, in dem der ansonsten recht skrupellose werdende Vater gegenüber der werdenden Mutter enthaltsam bleiben will, weil er nicht will, „dass das erste, was mein Kind von mir sieht, mein bestes Stück ist…“
Nach entweder enthaltsamen oder überfordernden neun Monaten betritt das neue Familienmitglied die Lebensbühne und läutet eine neue Phase ein: In der Regel haben sie jetzt Konkurrenz im Schlafgemach, die mit den lauten Seufzern und sonstigen Geräuschen zu (un)passender Zeit das traute Kuschelstündchen der jungen Eltern torpediert. Das kann zumeist auf männlicher Seite wiederum für Unzufriedenheit sorgen. So verwundert es nicht, dass der mit dem Terrorismus bekannt gewordene Begriff „Schläfer“  in Wirklichkeit von frustrierten Ehemännern in Leben gerufen wurde, die den eigenen Nachwuchs aufgrund dieser brutalen Rücksichtslosigkeit als Terroristen bezeichnen…
Ist das junge Früchtchen dann irgendwann hinauskomplimentiert und schläft nebenan im eigenen Zimmer, sind es dann die fehlenden Kindergeräusche, die eine romantische Stimmung unterbinden. Statt sich endlich mal in Ruhe um die Partnerin zu kümmern, stürmt der nervöse Vater alle paar Minuten ans Kinderbett im Nachbarraum, weil er eben NICHTS mehr hört und daher nach dem Rechten sehen muss…
Für die mutigen unter uns, die sich dann noch dazu entschlossen haben, eine längere, alleinige Elternzeit zu nehmen und sich ganztags alleine um den Nachwuchs kümmern, hat die Evolution dann noch eine ganz besonderes Bonbon parat: Sie werden zu Frauenverstehern! Denn wenn „Mann“ sich ansonsten einreiht in die Masse an männlichen Zeitgenossen, die auf dem Heimweg von der Arbeit von der Angebeteten träumen, so werden sie das gänzlich anders sehen, wenn sie von frühmorgens an den Zwerg versorgen, kochen, putzen, waschen, die Babykurse besuchen, zum Kinderarzt rennen, spielen, basteln und, und, und… Wenn sie also den Laden geschmissen haben und abends das ersehnte Schlüsselgeräusch an der Wohnungstür zu hören ist und ihre Holde eigentlich begehrenswert in der Tür steht, werden sie an alles denken – nur nicht mehr an Sex!
Weil sie ein Mann sind werden sie also zum ersten Mal in ihrem Leben einvernehmlich KEINEN Sex haben. Es sei denn… Ja, es sei denn, ihre Frau hat sich gedacht, dass ihr süßer Fratz eigentlich noch ein süßes Geschwisterchen bekommen sollte. Bevor sie also ernsthaft Gefahr laufen, bleibende Schäden als Frauenversteher davon zu tragen, nimmt die Evolution wieder ihre Arbeit auf. Man hat es halt nicht leicht als Mann – und sie landen wieder am Anfang – als Zuchtbulle! Bei der Gelegenheit dann noch viel Spaß beim Duschen! 😉

Q wie Quasselstrippe

Nein, wir reden heute nicht über die Frauen, auch wenn das der Titel suggeriert… 😉
Wir reden heute über die glücklichen Kinder, die nach der harten Phase der Spracherlernung ihre neu erworbenen Fähigkeiten mit Begeisterung anwenden und jetzt, nachdem sie bis dato nur allerlei unverständliches Zeugs vor sich hin gebrabbelt haben, gerade Sätze sprechen und somit zu einer regelrechten Quasselstrippe mutieren können.
Die kindliche Quasselstrippe muss genau genommen in zwei Felder unterteilt werden:
Feld eins ist das einfache Reden ohne Unterlass. Da gewöhnt man sich dran. Wenn sie eine entsprechende Partnerin haben, sind sie ja schon geübt…
In dasselbe Feld fällt eine andere Ausprägung der Quasselstrippe und zwar die hohe Kunst, genau dann zu reden, wenn Schweigen angesagt ist. Hier unterscheidet sich die kindliche Quasselstrippe nicht sonderlich von der weiblichen Quasselstrippe… 😉
Doch während Frau den neuesten Nachbarschaftstratsch an den Mann bringen will, wenn gerade die Sportschau läuft, nutzen Kinder oft sehr viel effektvollere Momente, um sich in Szene zu setzen. Wenn während des Gottesdienstes in der Kirche in der Phase des stillen Gebets Sprüche wie „Wieso sagt denn hier keiner was?“ gerufen werden, gehört das noch zu den harmloseren Varianten. Gut hörbare, unvorteilhafte Bemerkungen über andere Gottesdienstbesucher liegen in der Peinlichkeitsskala für die Eltern definitiv weiter oben…
Ein weiteres schönes Beispiel über den unpassenden Redefluss von Kindern ist das Telefonieren. Die Bitte, mal ein paar Minuten ungestört zu bleiben, bleibt ungehört. Vermutlich gibt es ein kindliches Hormon oder ähnliches, das die mahnenden Worte nach dem Erreichen des Gehörganges einfach rausfiltert. Als Konsequenz haben sie also immer einen Dreikäsehoch, der dazwischen plappert, wenn sie es nicht brauchen können. Leider gibt es dagegen keine wirkungsvolle Handhabe. Es soll Eltern geben, die sich zum Telefonieren im Schrank versteckt haben. Aber auch dort wurden sie aufgespürt. Kinder sind bisweilen erbarmungslos…
Die Krönung kindlicher Quasselstrippen Attacken sind aber die Telefonate, wo sie nun wirklich kein Gequäke gebrauchen können. Beim Gespräch mit Tante Anna ist das ja vielleicht noch ganz süß, wenn sie den Chef oder einen wichtigen Kunden in der Leitung haben, hört der Spaß dann auf…
Während des Gesprächs macht unsereiner dann also diverse Verrenkungen, Grimassen, Beschwichtigungsgesten, hält den Finger vor den Mund und hüpft hektisch von einem Bein aufs andere, während der plappernde Zwerg belustig vor einem steht. Die Konsequenz ist nicht etwa, dass man beim nächsten Mal in Ruhe gelassen wird, die Konsequenz ist, dass der Mama später erzählt wird „der Papa tanzt ganz lustig beim Telefonieren…“
Und dann gibt es noch ein weiteres Quasselstrippen Feld: Kinder reden mit anderen – über sie!
Das war nicht immer so: In der guten alten Zeit war das Rollenverständnis unmissverständlich geklärt: Kinder hatten gefälligst die Klappe zu halten. Das war zwar langweilig, hat den Eltern aber zumindest die ein- oder andere peinliche Situation erspart. Wenn so ein kleiner Strolch sich dann doch mal getraut hat, aus dem Nähkästchen zu plaudern, kamen dann höchst interessante Dinge zu Tage. So oder so ähnlich muss wohl die weit verbreitete Erkenntnis „Kindermund tut Wahres kund!“ entstanden sein.
Heute brabbelt das junge Gemüse gefragt oder ungefragt einfach drauf los und nimmt es bisweilen mit der Wahrheit auch nicht ganz so genau. Die Mär vom  „Kindermund tut Wahres kund“! hält sich trotzdem seit Generationen wacker. Ich wage das ja zu bezweifeln, denn schon oft haben mich meine Kinder, sobald sie sprechen konnten, mit abenteuerlichen Geschichten in Sachen reingeritten, die sich niemals so zugetragen haben.
Es ist also Vorsicht geboten. Denn was in diesem Zusammenhang nicht unterschätzt werden darf ist die Tatsache, dass die Artikulation unser kleinen Erdenbürger sehr oft in einem exzellenten Verhältnis mit deren Höreigenschaften steht. Kurz: Was die Bürschchen hören, geben sie leider oft ungefragt und am für die Eltern meist ungünstigsten Zeitpunkt wieder. Merken sie sich also, dass es mit der Geburt ihres Kindes nicht mehr lange dauert, bis ein Spion mit am Tisch sitzt, der geradezu danach giert, die gut gehüteten Familiengeheimnisse brühwarm in der Kita auszuplaudern. Erschwerend kommt, wie gesagt, hinzu, dass es oft genug nicht ganz wahrheitsgetreu ist, was die heitere Jugend ganz offensichtlich wenig juckt, ihnen aber diverse Scherereien bereiten wird…
Da wird aus einem ironischen „Wenn ich mal im Lotto gewinne, kaufe ich mir ein Haus auf Sylt“ ein „Papa hat im Lotto gewonnen und kauft uns ein Haus auf Sylt“. Sie werden Wochen brauchen, um diese Falschmeldung aus der Welt zu schaffen und der Postbote wird sie überdies hassen, weil er plötzlich tonnenweise Bittbriefe zu ihnen schleppen darf…
Überhaupt sind Geldthemen ziemlich kritisch im Beisein der Kinder. Wenn sie sich mit  ihrer Partnerin über Größenordnungen im Rahmen von 200 bis 300 Euro unterhalten, denken kleinere Kinder schon, sie sind Millionär. Also nicht wundern, wenn einem die Kitaleitung am nächsten Tag unaufgefordert den Prospekt mit dem Spendenvordruck in die Hand drückt…
In jedem Fall können sie davon ausgehen, dass die Erzieherinnen in der Kita bestens Bescheid wissen über die intimsten Familiendetails, über die ich an dieser Stelle selbstverständlich den Mantel des Schweigens lege. Aber man muss es diesem Berufsstand hoch anrechnen, dass bei den kargen Gehältern aus diesem Insiderwissen mittels Erpressung nicht Kapital geschlagen wird. Aber wenn sie in der Kita mal wieder besonders freundlich oder mittleidig angelächelt werden, sollten sie mal darüber nachdenken, worüber sie sich gestern so unterhalten oder was sie so gemacht haben…
Peinlich wird es aber erst richtig, wenn ihr Nachwuchs in ihrem Beisein und insbesondere dem von Fremden Sachen zum Besten gibt, die sie im nicht ganz so guten Licht dastehen lassen. Sind sie als Mann noch begeistert über Juniors tollen Schenkelklopfer, wenn der vor dem Nachbarn rauskräht „Mama kann nicht Autofahren!“, entgleitet ihnen mit Sicherheit das Gesicht, wenn sie Besuch haben und ihr Töchterchen plötzlich trocken raushaut „Papa pupst immer abends auf dem Sofa“!
Ja dann ist eine ordentliche Portion Schlagfertigkeit nötig, um halbwegs aus dem Schlamassel rauszukommen…
Auch kann es nicht schaden, sich als Besucher bei Familien mit Kindern auf solche Situationen einzustellen und schon mal den geübten demütigen Blick nach unten zu üben oder den schnellen Themenwechsel zu trainieren. Denn die morgens im Bad gelebte natürliche Nacktheit der Elternschaft kommt bisweilen als Bumerang zurück und so mancher Gastgeber fühlt sich dann geradezu entmannt, wenn die vierjährige Tochter trocken offenbart, „Papas Penis ist komisch, der ist so klein“…
Wenn ihnen so was passiert, brauchen sie entweder eine Zeitmaschine, die sie in die gute, alte Zeit zurück bringt, wo die Kinder noch brav und zurückhaltend und keine Quasselstrippen waren – oder die sichere Erkenntnis: Ja, Kinder bringen Freude! Das beste Rezept ist übrigens, herzhaft zu lachen. Und das werden sie. Versprochen!

D wie Durchhalteparole

Mit dem Erscheinen des Nachwuchses schwebt die Kleinfamilie berechtigterweise erst einmal auf Wolke sieben. Die Akkus sind noch voll, die Vorsätze vorbildlich, die gemeinsame Zukunft kann kommen und sie wird natürlich wunderbar!
Wie in einer Partnerschaft auch ist dieser Zustand leider nicht von permanenter Dauer, irgendwann plumpst man leider von besagter Wolke und findet sich dann in der garantiert nicht langweiligen, allerdings manchmal auch ein wenig stressigen Realität wieder. Denn die stetige und rasante Entwicklung des Zöglings schreitet unaufhaltsam voran – und sie hat eine Menge an fiesen Errungenschaften an Bord, die sowohl das Kind und damit auch die Elternschaft quälen können…
Um eines direkt klar zu machen: Aussteigen ist nicht! Sie können das Kind also nicht einfach in eine Kiste packen und zu Amazon zurück schicken. Sie brauchen also eine andere Strategie, um mit dieser Situation klar zu kommen.
Die findige Elternschaft hat sich aus diesem Grund etwas ausgedacht, das die Überbrückung etwas schwieriger Betreuungs- und Erziehungsphasen bestmöglich unterstützt:
Die Durchhalteparole!
Jede Wette, sie werden es früher oder später – bewusst oder unbewusst – austesten:
Das Kind schreit erbärmlich? „Das geht vorbei!“,
Der Junior springt vor Wut diabolisch rum, dass Rumpelstilzchen vor Neid erblassen würde? „Das ist nur eine Phase!“
Das Töchterchen nörgelt pausenlos rum? „Das hört morgen auf!“
Seien wir mal ehrlich: Es kommt der Punkt, an dem man einfach nur noch genervt ist und man irgendwie nicht mehr so recht weiß, wie man das Ganze überhaupt aushalten soll. In den Situationen haut man dann am besten einen kleinen Muntermacher raus. Ihre Frau wird sie dann für ihren grenzenlosen Optimismus lieben. Da hätten wir dann schon mal an das Problem mit der Partnerschaft einen Haken gemacht und uns zumindest hier wieder auf Wolke sieben katapultiert  😉
Gemeinsam lassen sich die Problemchen mit der Jugend sowieso besser ertragen. Genau genommen ist das Elterndasein also nichts anderes als die Verkettung von permanenten Durchhalteparolen.
Die ersten Schreiattacken sind nur erträglich, weil man gewiss ist, dass der kleine Milchsauger sich erst mal an das irdische Dasein gewöhnen muss. Da sagt man sich. Das ist ganz normal, da geht vorbei. Dann kommen die Bauchschmerzen – selbstverständlich auch eine ganz normale Sache. Das Zahnen ist dann die nächste Stressphase, deren Ende wir uns herbeireden, wenn es mit dem Bernsteinkettchen wider Erwarten doch nicht funktioniert –  denn das kann dauern, das Milchgebiss fasst schließlich 20 Zähne…
Wachsen nicht die Zähne, wächst garantiert irgendwas anderes – aber da wissen wir ja auch, „es ist bald vorüber“. Das Kind ist unausstehlich und nöhlt den ganzen Tag nur rum:  Entwicklungsphase! Geht rum. Alles ist gut. In der Tat, alles geht irgendwie und irgendwann vorbei, sogar die Pubertät soll irgendwann mal vorbei sein…
Machen wir uns nichts vor: So süß die Kleinen sind, so glücklich sie uns machen, so unersetzlich sie mit ihrem Erscheinen sind – Eltern zu sein ist bisweilen schrecklich! Dieser Zustand der Familienentwicklung wird allerdings von den Medien und der Werbung durch den Wolke sieben Plüsch überdeckt. Wer will sich schon das Geschäft einer zahlungskräftigen Konsumentengruppe dadurch versauen, indem er die nackte Wahrheit erzählt..?
Die Kunst des Elterndaseins besteht daher also darin, dieser Wahrheit todesmutig ins Auge zu sehen und in der Zwischenzeit nicht zu einem Zombie zu mutieren. Denn alle diese Phasen kosten leider massig Energie. Schlafentzug, nervöses Nervenkostüm, ungesunde Lebensweise, sexuelle Enthaltsamkeit, fehlende Hobbys, was gibt es nicht alles, was einen manchmal daran zweifeln lässt, ob man wirklich Kinder will?
Wie schön, dass es daher so was wie Durchhalteparolen gibt! Sie geben uns die Sicherheit, dass wir das durchstehen können – und werden! Schließlich geht es allen Eltern so, und es ist extrem beruhigend, wenn man erfährt, dass es bei anderen auch total chaotisch zugeht. Und wenn wir uns mit dieser Erkenntnis gegenseitig etwas Mut zugesprochen haben, werden wir feststellen, dass das alles halb so schlimm ist. Die restliche Zeit – und davon gibt es zum Glück massig – können wir dann dafür nutzen, uns an und mit unseren Kindern zu freuen. Denn wenn sie nicht schreien, ausflippen, nörgeln oder wachsen, dann machen sie einfach unheimlich viel Spaß!

G wie Geburt

Kein Papa Dasein ohne Geburt. Kannte „Mann“ das, was da vor sich geht, früher nur vom Hörensagen, so ist es heute selbstverständlich, dass der werdende Vater beim Moment, wenn der Nachwuchs das Licht der Welt erblickt, zugegen ist. Was heißt zugegen, im besten Fall unterstützt er nach Kräften.
Vielleicht sind sie vorbereitet, haben brav ihren Geburtsvorbereitungskurs gemacht, haben mitgehechelt und freuen sich jetzt auf die letzten Meter zu zweit, bevor jemand in ihr Leben tritt, der ihre Aufmerksamkeit – und die ihrer Frau – mit Haut und Haaren auffressen wird.
Für die Machos und Selbstdarsteller unter uns erst einmal die schlechte Nachricht, dass sich bei dem anstehenden Vorgang alle auf die werden Mutter stürzen und sich niemand für sie interessiert.  Und noch eine schlechte Nachricht. Wenn sie als Mann bislang glaubten, dem „starken“ Geschlecht anzugehören, dann werden sie, nachdem der Zwerg endlich da ist, sicherlich anderer Meinung sein. Denn wenn wir wehleidigen Männer uns ehrlich hinterfragen, ob wir die für die Geburt notwendige Power und dazugehörigen Schmerzen wirklich ertragen würden, da kommen mir doch ehrliche Zweifel. Müssten die Männer die Kinder kriegen, der Mensch wäre vermutlich bereits ausgestorben…
Legendär ist in diesem Zusammenhang auch die Geschichte, in der die junge Mutter wenige Stunden nach der Geburt ihren Mann im Rollstuhl durch das Krankenhaus schob. Er war während der Geburt kollabiert…
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, sie ist da, die Angst, dass man im entscheidenden Moment schlappmacht – und damit ist nicht der Zeugungsvorgang gemeint… Denn ehrlicherweise ist so eine Geburt auch für einen Mann eine Extremsituation. Zuerst das in die Klinik bringen: Da fließen bisweilen Sturzbäche an Schweiß vor Panik, nicht rechtzeitig hinzukommen – um dann festzustellen, dass die Hebammen erst einmal gepflegt chillen, weil aus deren Sicht noch überhaupt nichts passiert ist… Irgendwann geht es dann aber wirklich los. Wenn man nicht gerade Meister in der Bewältigung von Beziehungskrisen ist, muss man sich auch erst einmal daran gewöhnen, dass die Holde schreit oder kreischt. Überhaupt ist man bisweilen überrascht, zu welchen Lauten ein absolut vertrauter Mensch in der Lage ist…
Wichtig ist, in solchen Situationen braucht sie ihre Partnerin zu 100 Prozent. Damit ist gemeint, dass sie sie nicht hektisch mit der Handykamera rumfuchteln und jedes intimste Detail für die Nachwelt auf Video bannen sondern die werdende Mutter unter der Geburt so gut sie können unterstützen. Wenn es Ihnen irgendwie möglich ist, bleiben sie gelassen, werden sie nicht panisch, wenn nicht bei jedem Stöhner sofort ein Heer von Hebammen und Ärzten den Kreissaal flutet – die Leute wissen in der Regel, was sie tun und können die Situation meist auch viel besser einordnen als sie als erstgebärendes Paar.
Auch hier gilt im Übrigen die Kinder-Grundregel: Haben sie Geduld. Gerade die ersten Kinder lassen sich Zeit! Die Mädels müssen sich erst mal schön machen, die grobnotorischen Jungs sind vermutlich noch zu blöd, den Ausgang zu finden… Es kann also dauern, mitunter auch sehr lange… In manchen Krankenhäusern gibt es hierfür extra „Elternzimmer“, ausgestattet mit Musikanlage und Fernseher, in denen man zu zweit die Zeit vor der heißen Phase absitzen kann. Versuchen sie hier zumindest ein bisschen romantisch zu sein und maulen sie also nicht rum, wenn es dann genau während der Sportschau in den Kreissaal geht…
Die Vorgänge bei der Geburt sind auf jeden Fall ein guter Punkt, für mehrere Kinder zu plädieren. Denn wir sind zwar Männer, aber manchmal trotzdem lernfähig. Bei der zweiten Geburt ist einem quasi alles schon vertraut, die Handgriffe, mit der sie ihre Frau unterstützen können, die sitzen schon takko und die Unsicherheiten, die bei der ersten Geburt richtig Nerven gekostet haben, die sind wie weggeblasen.
Ein wahrer Profi ist man dann mit jeder weiteren Geburt: Da ist man so souverän, da hat „Mann“ dann auch schon mal Zeit, mit den Hebammen zu flirten…
Und dann ist es soweit. Der Nachwuchs ist endlich da! Sie dürfen die Nabelschnur durchschneiden und haben ab sofort einen Esser mehr am Tisch, plötzlich eine Haufen Verantwortung an der Backe, können ihre bisherigen Lebensabläufe in die Tonne treten – aber die Erleichterung ist trotzdem riesengroß und die Freude kaum zu beschreiben. Genießen sie es!

T wie Trödeln

Eines der größten Krisenpotentiale im Zusammenleben mit Kindern besteht in den unterschiedlichen Interpretationen von Geschwindigkeit und Zeit. Wenn sie Beruf und Familie unter einen Hut bekommen wollen, ist für sie eine gewisse Logistik und ein funktionierendes Zeitmanagement notwendig, damit das zumindest organisatorisch und theoretisch mit dem strukturierten Familienablauf funktionieren kann. Jede Wette, auch sie machen entsprechende Pläne – und jede Wette, auch bei ihnen wird es jemanden geben, der diese Pläne in schöner Regelmäßigkeit  sabotiert. Denn die Kinder sehen das natürlich ganz anders – bei denen sind sie der Buhmann, der deren „grenzenlose“ Geduld, die aus Elternsicht natürlich überhaupt nicht vorhanden ist, strapaziert. Da werden dann schon mal Veitstänze der Wut vollführt, weil man zehn Minuten vor dem Essen keine kleinen  Snacks mehr anreichen will…
Wenn Kinder was wollen hat man als Erwachsener grundsätzlich das Gefühl, dass man sowieso immer zu lahm ist, vermutlich ist das Zeitgefühl bei Kindern notorisch unterentwickelt. Die Verweildauer am Tisch bei Mahlzeiten scheint von Kindern ebenfalls als Foltermethode wahrgenommen zu werden. Geduld und Geschwindigkeit sind halt relativ. Denn wenn es um Dinge geht, die für Kinder jetzt nicht die allererste Priorität haben wie zum Beispiel in die Kita oder in die Schule zu gehen, dann ist es nicht gerade so, als ob die Kleinen Hummeln im Hintern haben. Nein, wenn ein gewisser Aktionismus aus Elternsicht mal ganz dankbar wäre, ja dann entdeckt die Jugend ihr Herz für die entspannte Langsamkeit und bleibt total cool…
Wo sie schon augenrollend genervt von einem Bein aufs andere hüpfen, weil der Nachwuchs nicht in die Pötte kommt, versteht dieser die Aufregung so überhaupt nicht. Und während sie morgens mit Puls 150 durch die Küche wirbeln, um Frühstück und Schulbrote zeitgerecht am Start zu haben, schlurfen selbst die jüngsten in Seelenruhe durch die Flure, chillen erst mal gemütlich, oder noch besser, legen sich noch mal ins Bett, weil es dort ja so schön kuschelig ist… Das sind Situationen, in denen der Familienfrieden – sagen wir es mal ganz vorsichtig – ein klitzekleines bisschen aus der ansonsten fest verankerten Basis gerissen werden kann.
Gehen sie also davon aus, dass Ihr Tag somit entsprechend als Kameltreiber beginnt, der die dröge, noch schlaftrunkende Herde Richtung Bad und Küche treibt, damit nicht massenweise Tadel fürs zu spät kommen ins Haus flattern. Für das, was dann folgt, braucht man Nerven wie Drahtseile. Manche Kinder sind geradezu Meister darin, die Eltern in Rekordzeit in Pulssphären jenseits von gut und böse zu jagen. Zuerst wird erst mal der morgendliche Kakao mit Milchschaum zelebriert, wobei man den Eindruck hat, der Dreikäsehoch befindet sich nicht kurz vor dem Kita- oder Schulbesuch sondern im Wellnessurlaub. Hat man dann das kleine Wunder vollbracht, und der Zögling ist tatsächlich nach unzählbaren Ermahnungen im Badezimmer angekommen, nimmt das Drama seinen weiteren Lauf. Nr. 1 bekommt also den Auftrag, sich anzuziehen. In der Zwischenzeit geht man besser mal nachsehen, womit sich Nr. 2 gerade beschäftigt, in den allerseltensten Fällen hat es nämlich was mit anziehen zu tun. Nach einiger Zeit geht es wieder ins Bad, mal sehen, was Nr.1 so treibt: In der Regel nichts, will heißen, man wähnt sich immer noch im Spa und chillt auf dem geheizten Fußboden. Das gibt dann wieder ermahnende Worte, danach geht es wieder zu Nr. 2, der mit Sicherheit nur halb angezogen gerade das Lego aus dem Schrank räumt. Nach der erfolglosen Diskussion, ob das denn so zielführend ist, geht es wieder ins Bad, wo einen Nr. 1 damit beglückt, in der Zwischenzeit – gefühlt eine halbe Stunde mindestens – doch tatsächlich einen Socken angezogen zu haben… Dieses Trödeln macht eine fertig… Das ist den Bürschchen aber egal, die ziehen ihr Ding gnadenlos durch. Hat man kurz vor dem Zusammenbruch tatsächlich das Wunder vollbracht und die Jugend auf den Weg zur Kita oder Schule gebracht, erfreut man sich daran, dass an jeder Pusteblume gerupft, jede Schnecke als biologisches Highlight mit entsprechenden Zeitaufwand zelebriert und zügiges Laufen grundsätzlich als völlig überbewertet eingestuft wird…
Schweißgebadet verfrachtet man die Jugend dann in den aufnehmenden Institutionen. Dann möchte man eigentlich auch gerne mal chillen statt die Trödelei durch eigene Hektik wieder aufzuholen. Und dann muss man sich klammheimlich eingestehen: Eigentlich hat die Gelassenheit der Kinder was…