W wie wickeln oder Wickeltisch

Der Wickeltisch an sich stellt in seinem ersten Stadium erst einmal eine klassische Männerdomäne dar. Dem natürlichen Rollenverständnis entsprechend darf der „Papa“ das gute Stück erst einmal zusammenschrauben, während die hormongesteuerte „Mama“ sich  intensiv um den frischen Nachwuchs kümmert. Je nach Beziehungsqualität tut „Mann“ das freiwillig oder nach diversen Aufforderungen („Wann baust Du endlich…“), aber das ist eine andere Geschichte.
Je nachdem, ob wir es mit einer Glucke oder einer Rabenmutter zu tun haben, ist die anschließende Entwicklung unterschiedlich:
Ist die Partnerin eine Glucke, passiert – nix. Sie wird sämtliche Tätigkeiten, die mit Wickeln oder mit einem Wickeltisch in Verbindung gebracht werden können, in gnadenloser Manier an sich reißen. Wenn Sie Glück haben, dürfen Sie mal zusehen. Grundsätzlich wird ihnen jegliche Qualifikation, den Job ebenfalls machen zu können, mit ziemlicher Sicherheit abgesprochen werden. Machen Sie sich nichts draus. Gehen sie zum Kühlschrank, holen sie sich ein Bier, spielen sie also die ihnen angedachte Rolle möglichst glaubwürdig und vergessen sie nicht, ihre Holde für das, was sie tut, zu loben. Ihr paar Blumen kaufen kann auch nicht schaden. Sie toppen das Ganze noch, wenn Sie dem Kleinen mal einen Schnuller mitbringen. Ihre Familie wird sie lieben. Und wenn sie den Wickeltisch dann nach einigen Jahren wieder abbauen, werden sie nur gute Erinnerungen an ihn behalten.
Anders sieht das natürlich aus, wenn bei der Hormonausschüttung der Mutter ihres Sprösslings irgendetwas schief gelaufen ist, sprich sich rabenmutterhafte Tendenzen breit machen. Das bedeutet erst einmal, dass sie unverhofft (und dass passiert ja bekanntlich öfter, als einem lieb ist) ihr Neugeborenes im Arm halten und sie ihre bessere Hälfte – begleitet mit einem freundlich aber bestimmten „Kannst du den Stinker mal entsorgen“ – Richtung Wickeltisch schiebt.  Es gibt hier also einiges zu beachten, damit der Wickeltisch ihr bester Freund werden kann.
Erst einmal: Entsorgen sie bitte nicht das Kind! Gemeint ist natürlich nur die Windel. Das ist das (äußerlich) weiße Ding, am Bund oft verziert mit putzigen bunten Bildern, das zwischen Bauch und Beinen hängt, je nach Zustand schon ein beachtliches Gewicht erreichen kann und meist unschwer am Geruch zu erkennen ist. Etwaigen Äußerungen, es handele sich hierbei um ein „Geschenk“ ihres Kindes – oft von etwas älteren Frauen, die Geburtsvorbereitungs- oder Pekipkurse  geben – sollte man keine allzu große  Beachtung schenken. Der Verdacht liegt nahe, dass auch hier der Hormonhaushalt ein bisschen aus dem Ruder gelaufen ist…
Wichtig ist vielmehr: Ruhe bewahren! Eckelgrenze senken! Falls sie da anfällig sind, halten sie immer etwas Herpescreme griffbereit. Sagen sie sich immer, dass das, was da vorfinden, das natürlichste der Welt ist. Das macht es nicht schöner, aber man fühlt sich sofort besser…
Richtig gefährlich wird es eigentlich erst, wenn Sie ihr Kind freigelegt haben. Damit meine ich jetzt nicht die Gefahr, dass ihr Zögling runterfallen kann. Da macht man wirklich keine Späße, das ist in der Tat lebensgefährlich. Halten sie das Kind also immer im Auge, denn die Bürschchen können völlig überraschend sehr schnell sein.
Sehr schnell können aber auch ausgesprochen menschliche Bedürfnisse anstehen. Je nachdem, ob es sich um Männlein oder Weiblein handelt, kann es da schon mal zu Überraschungen kommen: So gibt es einen überlieferten Dialog eines Elternpaares, das sich nach einer Tochter beim zweiten Kind einem Junior auf dem Wickeltisch gegenüber sah.
Für alle Jungs hier noch einmal zur Erinnerung: Der kleine Unterschied ist schon ab Geburt durchaus beweglich und auch nicht durch irgendwelche Prostataleiden gehandicapt. Kurz und gut: Wenn der kleine Mann losstrullt, sollten die umstehenden tunlichst aufpassen, wohin die Reise geht, wenn sie mit offenstehendem Mund staunend verfolgen, wozu der männliche Nachwuchs fähig ist.
Besagtes Paar, das halt nur die Tochter gewohnt war, wo das Ganze etwas glimpflicher abgeht, wurde auch überrascht:
Sie (panisch): „Oh mein Gott! Schnell, werf was drauf!“
Er (auch panisch): „Was denn?“
Sie (noch panischer) „egal!“
Da wollen wir mal hoffen, dass kein Amboss in der Nähe stand…
Sind sie sportlich? Reaktionsschnell? Kann alles nicht schaden für den Fall, dass das Bedürfnis etwas größer ist. Denn für das, wozu Babies in der Lage sind, wenn eine Darmentleerung ansteht, vor der keine Windel schützt, muss man topfit sein. In jeder Hinsicht…
Es haben sich schon Dramen abgespielt, wenn sich die kleinen „Scheisserle“ mit Hochdruck erleichtert haben und der rettende Hechtsprung vor dem Wickeltisch nicht mehr rechtzeitig geschafft wurde. In diesem Fall werden sie die Herpescreme definitiv brauchen. Und in diesem Fall ist es auch tröstlich zu wissen, dass die Liebe zu ihrem Kind größer ist als alles andere.
Wenn man so etwas Mal erlebt hat, dann ist der Respekt vor den Ingenieuren, die moderne Windeln konstruieren und die das aushalten, grenzenlos. Und ehrlich gesagt warte ich im Zuge der Energiewende auf den hellen Kopf, der diese Brachialgewalt an Energie für zivile Zwecke zu nutzen weiß. Wenn es irgendwie geht, ohne Herpescreme…