S wie Sex

Harald Schmidt hat mal gesagt: „97 Prozent des Tages denken Männer an Sex, die übrigen 3 Prozent haben sie welchen“. Über  ähnliche Zahlen aus Sicht der Frauen hat er nichts gesagt. Das würden die Männer vermutlich nicht verkraften… Über das Thema, dass die Männerphantasien in den seltensten Fällen von der holden Weiblichkeit erwidert werden, sind vermutlich schon tausende Bücher geschrieben worden, ohne dass die Menschheit in dieser Frage einen Schritt weiter gekommen wäre… Da ist es für das Männerherz doch eine wahre Wonne, wenn die gemeinsame Entscheidung gefallen ist, für Nachwuchs zu sorgen. Bedeutet das doch, dass Mann und Frau regelmäßig und einvernehmlich in die Kiste steigen. Es könnten paradiesische Zustände für den Mann sein. Wäre da nicht die Frau und die aus ihrem Kopf entsprungenen Begleitumstände. Wenn sich nämlich eine Frau in den Kopf gesetzt hat, Mutter werden zu wollen, so tut sie das nicht triebgesteuert wie ein Mann, nein, sie macht das nach einem Plan. Das wann und wie bestimmt also die Mutter in spe. Und je nachdem, wie radikal Madame das auslebt, fühlt sich der anfangs euphorische werdende Vater irgendwann wie ein Zuchtbulle, der zu festgelegten Zeiten zu leisten hat… Es soll Heerscharen an traumatisierten Vätern geben, die unter Weinkrämpfen davon berichten, das Zeugen des Nachwuchses sei nicht lustvoll sondern harte Arbeit gewesen.
Denn Frauen mit Kinderwunsch sind unerbittlich. Da wird nichts dem Zufall überlassen. Wenn irgendwie möglich auch nicht das Geschlecht des gewünschten Nachwuchs.
Da gibt es ja die Geschichte, dass Mann durch die Wahl der Duschwasser-Temperatur das mögliche Geschlecht beeinflussen kann. Männer sind Weicheier, das fängt schon als Spermie an. Sie sind zwar schneller, machen aber auch schneller schlapp. Und: Sie vertragen keine Hitze. Folglich: Heiß duschen = Mädchen. Es haben sich schon fürchterliche Dramen im Badezimmer abgespielt, wenn die bessere Hälfte den hilflosen Mann entweder brühend heiß oder eisekalt abgeduscht hat, beseelt von der Hoffnung, dem Wunschgeschlecht ein bisschen auf die Sprünge zu helfen…
Enge Hosen sollen ebenfalls den weiblichen Spermien und somit der künftigen Prinzessin einen Vorsprung verschaffen. Wenn sie also einen bemitleidenswerten Geschlechtsgenossen im Trippelgang, sich ständig im kneifenden Schritt haltend, durch die Stadt herumirren sehen, provozieren sie diesen bitte nicht noch mit Sprüchen wie „ein Junge wäre doch viel cooler“ – er macht gerade eine harte Zeit durch…
In vielen Fällen führt die weibliche Strategie zum Erfolg und es stellt sich die erhoffte Schwangerschaft ein. Wir befinden uns jetzt in der nächsten kritischen Phase. Der überforderte Mann sieht sich jetzt einer emotional stark schwankenden Persönlichkeit gegenüber. Was den Sex angeht, äußert sich das in zwei möglichen Ausprägungen: Die Schwangere hat entweder nymphomanische Veranlagungen oder sie lebt auf einmal geradezu abstinent. Beide Zustände stressen den werdenden Vater, der sich nach der Zuchtbullenphase nach Ruhe sehnt und diese entweder nicht bekommt, weil ihm die Partnerin unmissverständlich klar macht, dass die Schäferstündchen nur zum Holen von sauren Gurken unterbrochen werden dürfen oder die ersehnte Ruhe dann erheblich länger dauert als von ihm gewollt…
Darüber hinaus hat auch der unsensible Mann von heute seine weichen Ecken. Spätestens mit dem wachsenden Babybauch bekommt der ein oder andere Beklemmungen, und die ansonsten nicht als Kostverächter bekannte männliche Spezies bekommt ihren Moralischen. Als Beispiel darf hier ein Zitat aus dem Film „der bewegte Mann“ dienen, in dem der ansonsten recht skrupellose werdende Vater gegenüber der werdenden Mutter enthaltsam bleiben will, weil er nicht will, „dass das erste, was mein Kind von mir sieht, mein bestes Stück ist…“
Nach entweder enthaltsamen oder überfordernden neun Monaten betritt das neue Familienmitglied die Lebensbühne und läutet eine neue Phase ein: In der Regel haben sie jetzt Konkurrenz im Schlafgemach, die mit den lauten Seufzern und sonstigen Geräuschen zu (un)passender Zeit das traute Kuschelstündchen der jungen Eltern torpediert. Das kann zumeist auf männlicher Seite wiederum für Unzufriedenheit sorgen. So verwundert es nicht, dass der mit dem Terrorismus bekannt gewordene Begriff „Schläfer“  in Wirklichkeit von frustrierten Ehemännern in Leben gerufen wurde, die den eigenen Nachwuchs aufgrund dieser brutalen Rücksichtslosigkeit als Terroristen bezeichnen…
Ist das junge Früchtchen dann irgendwann hinauskomplimentiert und schläft nebenan im eigenen Zimmer, sind es dann die fehlenden Kindergeräusche, die eine romantische Stimmung unterbinden. Statt sich endlich mal in Ruhe um die Partnerin zu kümmern, stürmt der nervöse Vater alle paar Minuten ans Kinderbett im Nachbarraum, weil er eben NICHTS mehr hört und daher nach dem Rechten sehen muss…
Für die mutigen unter uns, die sich dann noch dazu entschlossen haben, eine längere, alleinige Elternzeit zu nehmen und sich ganztags alleine um den Nachwuchs kümmern, hat die Evolution dann noch eine ganz besonderes Bonbon parat: Sie werden zu Frauenverstehern! Denn wenn „Mann“ sich ansonsten einreiht in die Masse an männlichen Zeitgenossen, die auf dem Heimweg von der Arbeit von der Angebeteten träumen, so werden sie das gänzlich anders sehen, wenn sie von frühmorgens an den Zwerg versorgen, kochen, putzen, waschen, die Babykurse besuchen, zum Kinderarzt rennen, spielen, basteln und, und, und… Wenn sie also den Laden geschmissen haben und abends das ersehnte Schlüsselgeräusch an der Wohnungstür zu hören ist und ihre Holde eigentlich begehrenswert in der Tür steht, werden sie an alles denken – nur nicht mehr an Sex!
Weil sie ein Mann sind werden sie also zum ersten Mal in ihrem Leben einvernehmlich KEINEN Sex haben. Es sei denn… Ja, es sei denn, ihre Frau hat sich gedacht, dass ihr süßer Fratz eigentlich noch ein süßes Geschwisterchen bekommen sollte. Bevor sie also ernsthaft Gefahr laufen, bleibende Schäden als Frauenversteher davon zu tragen, nimmt die Evolution wieder ihre Arbeit auf. Man hat es halt nicht leicht als Mann – und sie landen wieder am Anfang – als Zuchtbulle! Bei der Gelegenheit dann noch viel Spaß beim Duschen! 😉