O wie Oma und Opa

Die Generationenfrage ist in der heutigen Zeit so aktuell wie eh und je. Allerdings hat sich das Rollenverständnis in den letzten Jahrzehnten etwas verändert.
Früher waren Oma und Opa in der Regel betagte, interessierte aber auch etwas distanziertere Familienmitglieder – sieht man mal von den eher auf etwas Disziplin gemünzten Erziehungstipps ab, die ungefragt erteilt wurden. Gut, ehrlicherweise kommt das heute vereinzelt auch noch vor… 😉
Das Verhältnis zu den Enkeln war ausgesprochen liebevoll und herzlich – aber wenn es turbulent wurde, tauchte die ältere Generation auch mal ganz gerne ab. Es gab ja schließlich die Eltern, die sich um den Schlamassel kümmern konnten…
Dieses Bild hat sich heutzutage radikal geändert. Und mit dem Moment, in dem sie glücklicher Vater werden stehen daher in der Regel vier nicht minder glückliche Großeltern auf der Matte. Natürlich mit der Erwartung, sich ebenfalls mit Haut und Haaren dem Kindswohl zu widmen…
Schlimme Kindheitserinnerungen kommen auf. An die gestrenge und regelmäßig schimpfende Mutter, die einen wegen der Schule immer getriezt und darüber hinaus auch immer die Nutella verboten hat. Und an den gestrengen Vater, der einem immer die Hammelbeine lang gezogen hat, wenn beim Spielen mal wieder was zu Bruch ging. Und dann diese Herzlosigkeit: Bis heute habe ich es nicht verwunden, dass ich nie den Super Hero mit dem coolen Schwungarm bekommen habe, mit dem ich jedes Mädchen mit ihren jämmerlichen Barbies in den Schatten gestellt hätte…
Kann man solchen Leuten ruhigen Gewissens die eigenen Kinder anvertrauen, die es doch mal viel besser als man selber haben sollen?
Die Antwort ist natürlich ein uneingeschränktes JA!
Denn dass sie selbst überhaupt in der Lage sind, ein Kind zu erziehen, haben sie mit Sicherheit der Liebe ihrer Eltern zu verdanken, die für sie auch manchmal durch das Tal der Tränen gegangen sind, die das Elterndasein bisweilen mit sich bringt…
Und dann hilft da auch noch Mutter Natur nach, die bei der vormals so gestrengen Großmutter so einen der Amnesie ähnlichen Prozess startet. Das hat zur Folge, dass sie es mit der harten Erziehung nicht mehr so genau nimmt. Kurz gesagt darf das Enkelkind in der Regel so ziemlich alles. Und wenn beim Spielen mal was zu Bruch geht, dann zieht Opa eher ihnen die Hammelbeine lang, dafür, dass sie so einen maroden Schrott zu spielen anschleppen…
Man könnte also meine, die Großelterngeneration wird altersmilde. Aber tatsächlich sind die Alten gar nicht mehr alt. So ab Mitte 60, wenn die Enkel kommen, startet die Großelterngeneration noch mal richtig voller Energie durch. Bei der Schlagzahl an Events, die Oma und Opa mit den Enkelchen an den Tag legt, ist das auch bitter nötig. Zoobesuche, Fußballspiele, der Kurztrip in den Centerpark, Eis essen gehen, Freizeitpark, und so weiter und so weiter. Das hält jung und fit. Alt und klapprig können Oma und Opa ja noch werden, wenn die Enkelschar in der Pubertät dann auch der ältesten Generation die kalte Schulter zeigt…
Mit höchstem körperlichen Einsatz stürzen sich Omi und Opi heute also mit der Geburt des Zwergs ins Getümmel. Lassen sie sie machen! Alleine das glückstrahlende, gefühlt 20 Jahre jüngere Gesicht der Oma, wenn die beim Baby mal die Windeln wechseln darf, sollte Grund genug sein, ihren Eltern zuzutrauen, dass ihre Kinder bei ihren Großeltern in guten Händen sind. Und schließlich haben ihre Eltern sie ja auch irgendwie groß bekommen…
Mit zunehmender Mobilität der Kleinen wird die Sache körperlich anspruchsvoller. Opa japst dann beim Fußballspielen hinter dem Ball her und kann froh sein, wenn er nicht umgegrätscht wird, Oma erzielt Geschwindigkeitsrekorde beim Laufradfahren. Und auch wenn es in den vier Wänden prinzipiell etwas weniger anstrengend zugehen sollte, ist auch hier eine gewisse Vorsicht geboten. Da wird dann nicht nur mit der Holzeisenbahn gespielt, da kommt es gerne auch mal zum generationsübergreifenden Raufen. Und auch bei ganz ruhigen Tätigkeiten drohen Gefahren. Wenn das Töchterlein mit Oma Schminken spielen will, sortieren sie die nicht abwaschbaren Eddings vorher aus. Sonst rennt Oma wochenlang mit indianischer Kriegsbemalung durch die Gegend…
Und wenn der von der holden Jugend als Trampolinersatz missbrauchte Opa röchelnd und nach Lupft japsend auf dem Boden liegt und die zur Vogelscheuche geschminkte und vom Catchen lädierte Oma durch die Flure hinkt, sollten sie daran denken, sie haben nicht nur eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Kindern – sondern auch gegenüber ihren engsten Verwandten. Lassen sie nicht zu, dass ihre junge Brut die Gesundheit der älteren Generation aufs Spiel setzt, sie brauchen sie in jeder Hinsicht noch! In erster Linie natürlich einfach als liebevolle Menschen! Und dann kann man sich natürlich auch mal die Frage stellen, wie sähe ihr Alltag eigentlich ohne die regelmäßigen familiären Unterstützungshilfen aus, für die die Großeltern zur Verfügung stehen? Arztbesuche mit dem Kind, Babysitting beim kranken Kind oder am Abend, damit sie mal frei haben, die ganzen Bringdienste zu Kinderveranstaltungen, Kita, Schule, Essen kochen, etc., etc.,  etc. Von dem finanziellen Einsatz mal ganz zu schweigen. Alleine schon deshalb muss die Altersarmut vehement bekämpft werden…
Freuen sie sich also, wenn die jüngste und die älteste Generation ein tolles Verhältnis miteinander haben und gerne füreinander da sind. Genießen sie die Durchschnaufer, die ihnen der Einsatz ihrer Eltern bzw. Schwiegereltern verschafft. Aber seien sie sich dieser Hilfe auch bewusst und lassen sie das Oma und Opa auch mal mit einem fetten Dankeschön wissen.
In ferner Zukunft werden sie dann Oma oder Opa sein. Da werden sie dann eine Menge Energie brauchen, wenn der Enkel sie beim Nachspielen von Star Wars  Episode 83 mit dem Lichtschwert durch die Flure jagt oder die Enkelin sie auf dem Spielplatz zu Turnübungen an der Stange zwingt. Denken sie also schon jetzt daran, dass sie diese Energie vermutlich auch deshalb haben, weil Ihnen heute jemand den Rücken frei hält und sie sonst völlig auf dem Zahnfleisch gehen würden…
Noch ein kleiner Tipp: Damit es ihre Kinder später leichter haben, auch ihnen vorbehaltlos die Enkelkinder anzuvertrauen, Super Hero Figuren gibt es auch heute noch. Kosten ca. 15 Euro. Für die Zukunft gut angelegtes Geld…