M wie Möbelkauf

Rein rational gesehen ist es eine der einfachsten Sachen der Welt: Man geht in einen Möbelladen, sucht sich was aus, bezahlt, entweder nimmt man das gekaufte sofort mit oder einige Zeit später stehen zwei Kanten vor der Tür, schleppen ein paar schwere Kisten rein, und dann sind alle notwendigen Utensilien für das Kinderzimmer wie Bett, Schrank und Wickeltisch (siehe auch unter W) vorhanden. Danach können sie vor ihrer Holden mit ihren Aufbaukünsten glänzen – oder auch nicht, denn dieser Vorgang kann auch zu schwerwiegenden Beziehungsstörungen führen. Erfahrene Möbelbauer wissen, wovon ich rede…
Aber darum geht es hier überhaupt nicht. Denn seien wir mal ehrlich: Das Wort „rational“ ? Ist es bei Frauen – insbesondere bei Schwangeren – überhaupt im Wortschatz enthalten?
Die Madame mit Kugelbauch wird sie also nicht ganz so einfach davon kommen lassen. Gehen sie also davon aus, dass sie abends auf dem Sofa, anstatt Fernsehen zu gucken, erst mal einen der zahlreichen Kataloge für Babybedarf durchackern müssen. Widerstand übrigens zwecklos, es sei denn, sie wollen schon mal austesten, welchen Level die werdende Mutter auf der nach oben offenen Hysterieskala schafft…
Wenn sie bereits wissen, ob sie eine kleine Prinzessin oder einen kleinen Prinz erwarten: Glück gehabt, das schränkt die Auswahl zumindest schon mal ein bisschen ein. Gehört Ihre Frau zu der Sorte Mutter, die bereits nach dem positiven Schwangerschaftstest ein voll ausgestattetes Kinderzimmer ihr Eigen nennen möchte, ist die Auswahl zwar kleiner – hier ist die Geschlechterneutralität oberstes Gebot und alle grellen Rosa und Hellblautöne fallen raus – aber der Vorgang ist nicht weniger kompliziert. Denn vermutlich werden sie ab jetzt erst mal durch diverse Läden geschleift, um „nur mal zu gucken“. Diese Gelegenheit sollten sie nutzen, um die Preise zu studieren. Je nach ihrer finanziellen Situation können sie dann erst mal schlucken und sich einreden, dass sie das irgendwie hinbekommen oder sie überlegen sich bis zum D-Day, ob sie der Mama in spe  nicht doch irgendwas gebrauchtes unterjubeln können. Um es kurz zu machen: Vergessen sie es! Denn während sie das Preis/Nutzen Verhältnis für so ein Babybettchen kalkulieren, denn so ein Bürschchen wächst recht schnell, ist es für ihre bessere Hälfte unvorstellbar, den Frischling in bereits genutzte Utensilien unterzubringen. Das wäre ja noch schöner…
Das schlimme dabei: Sie sind Einzelkämpfer – Ihre Frau hingegen hat einflussreiche Unterstützung. Es sind schon Fälle überliefert worden, bei denen der werdende Vater nur treudoof hinter der mit Freundinnen shoppenden Frau hinterherdackelte, nur damit befasst, die neuen Errungenschaften in einer großen Babywanne zu sammeln. Der größte Albtraum des zahlenden werdenden Vaters ist aber der geschäftstüchtige Verkäufer, der die Notsituation der hormongestörten werdenden Mutter gnadenlos ausnutzt und ihr neben den notwendigen Basics allerlei unsinniges Zeugs andreht. Die Reaktion ihrer Holden auf ihre leicht kritische Frage, ob das denn alles wirklich notwendig ist, betrachten wir an dieser Stelle nicht, rollende Augen sagen mehr als alle Worte…
Wenn sie beim Zücken der Kreditkarte also tief durchatmen, denken sie immer daran: Es ist nur Geld. Und was ist schon Geld im Vergleich zu einer glücklichen Frau?
Ist der noch ungeborene Sprössling dann mal  ein richtiger Erdenbürger, werden irgendwann neue, größere Möbel notwendig. Wenn sie sich in dem Glauben wähnen, jetzt wäre das Shoppen im Möbelhaus eine entspanntere Angelegenheit – vergessen sie auch das… Jetzt haben sie ja einen Dreikäsehoch dabei, der die feilgebotenen, wunderbaren Spielbetten erst mal einem Qualitätscheck unterzieht. Dieser wird sicherlich nicht einer DIN Norm entsprechen – macht aber mit Sicherheit viel mehr Spaß und bringt nebenbei auch ihren Blutdruck ein bisschen in Wallung. Und wenn ihnen der geschäftstüchtige Verkäufer – der wird sicherlich wieder nicht ihr Freund – dann aalglatt lächelnd die Rechnung für durchgebrochene Lattenroste oder hässliche Macken im Funier kredenzt, dann denken sie bitte wieder daran: es ist nur Geld. Und was ist schon Geld im Vergleich zu einem glücklichen Kind..?