H wie Helikopter-Eltern oder: Wie komme ich in den Eltern Olymp?

Wenn Paare Eltern werden, dann ist das in der Regel mit gravierenden Veränderungen verbunden. Fairerweise muss man sagen, dass nicht alle Neuerungen zwingend positiv sind. Je nach Stressgrad mutiert ein phlegmatischer, ausgeglichener Mann als Vater schon mal zu einem schreienden Choleriker, die charmante bessere Hälfte wird mitunter zur keifenden Furie. Wenn ihnen das widerfährt: Ruhe bewahren – das ist alles ganz normal und verliert sich spätestens nach der Pubertät der Schutzbefohlenen, also so nach schlappen 15 bis 16 Jahren. Also kein Grund zur Panik!
Meistens führt das Erscheinen des Nachwuchses aber auch zu einer etwas verantwortungsvolleren Lebensweise. Man wird oft häuslicher, statt durchgezechter Nächte steht dann eher das Wohlergehen der Zöglinge im Vordergrund. Und dass es den lieben Kleinen nicht nur gut geht sondern dass es in geradezu allen Lebenslagen um sie herum perfekt bestellt ist, das ist schließlich erstes Elterngebot!
Daher lassen sie sich nicht von erfahrenen Erziehungsberatern und Sozialexperten verunsichern, die ihnen weißmachen wollen, dass ein Kind eigene Erfahrungswerte – positive wie negative – benötigt, wenn Sie selbst doch so viel managen können…
Gut, es kann sein, dass man dann in dieser Disziplin ein klitzekleines bisschen über das Ziel hinausschießt. Wenn das passiert, steigt man quasi zum Olymp des Elterndaseins auf und darf sich zum Kreis der – aus völlig unverständlichen Gründen – vom Rest der Gesellschaft so gefürchteten „Helikopter-Eltern“ zählen, deren Name daher rührt, dass sie wie ein wendiges Flugmodell den Lebenslauf des Nachwuchses überwachen, um alle Unannehmlichkeiten frühzeitig zu erkennen und entsprechend handeln können. Daher auch die zweite Herleitung: Mit Getöse auftauchen und viel Staub aufwirbeln“! Gut, bei diesen Zeitgenossen wird das Thema „Verantwortung“ völlig anders interpretiert, mit dem Ergebnis, dass sie dem Rest der Gesellschaft in penetranter Art und Weise auf die Nerven gehen, aber wie sagt doch auch schon der Falschfahrer auf der Autobahn bei der davor warnenden Radiodurchsage? „Wieso einer? Hunderte!
Das Dasein im Elternolymp hat seinen Preis, aber als Eltern sind sie es ja gewohnt, eigene Bedürfnisse zurück zu stellen: Helikopter-Eltern sind rastlos von dem Angstzustand getrieben, dass es dem eigenen Kind nicht gut geht, es pausenlos in entsetzlichen Gefahren schwebt und – ganz wichtig – es gegenüber anderen Kindern benachteiligt ist. Folglich besteht der einzige Lebenzweck der Eltern mit der Geburt des Kindes darin, dafür zu sorgen, dass all das unter keinen Umständen passieren darf.
Gewöhnen sie sich also ein dickes Fell gegenüber ihren Mitmenschen an, wenn sie den Job richtig machen wollen. Vermutlich werden sie allerlei groteske Situationen heraufbeschwören, die anderen Beteiligten sorgenvolle Stirnfalten aufs Gesicht zaubern. Trösten sie sich dann damit, dass diese bemitleidenswerten Zeitgenossen es nicht verstanden haben, dass es Nonsens ist, zwischen Verantwortung zu ÜBERNEHMEN, Verantwortung zu GEBEN und Verantwortung zu ÜBERLASSEN zu unterscheiden. Es kann hierbei auch nicht schaden, das Feindbild der Erzieher und Lehrer ein wenig zu schärfen, denn diese Berufsgruppen wehren sich täglich tapfer gegen angebliche Absurditäten, die Helikopter-Eltern so an den Tag legen.
Damit es mit dem Aufstieg in den Elternolymp besser und schneller klappt hier zur besseren Veranschaulichung ein paar Tipps:
Kommt es im Sandkasten zwischen ihrem Kind und anderen Kindern zu Meinungsverschiedenheiten, kommt es auf Schnelligkeit an. Als Vorbild dienen hier die Eltern, die im Rekordtempo, dass einen Usain Bolt vor Neid weiß werden lässt, vor Ort sind, um den Streit natürlich zu Gunsten des eigenen Kindes zu klären…
Gesundheit geht immer vor. Bei der Diskussion über Verhüllungsverbot und Burka geht dabei irgendwie völlig unter, dass man das Kind schon beim ersten Sonnenstrahl im Jahr am besten in ein Ganzkörperkondom steckt, damit der Sonnenbrand keine Chance hat. Grundsätzlich gilt, dass kleidungstechnisch immer einer Erkältung vorzubeugen ist, also langärmlige Pullis und Winterjacken für die Kinder bei jedem Wetter – zur Not auch bei 30 Grad im Schatten, es könnte ja doch mal kalt werden…
Den Diskussionen mit normalen Eltern über die richtige Ernährung geht man lieber ganz aus dem Weg: Sie provozieren nur mit Begriffen wie „Schokolade“ oder „Gummibärchen“, was bei Helikopter-Eltern nervöse Zuckungen hervorruft. Falls es dazu kommt, reagieren sie mit tötenden Blicken. Bei der Verwendung des Unwortes „Nutella“ wünschen sie dem Gegenüber ewige Verdammnis!
Manchmal hängen in Kitas oder Schulen Listen für Zusatzprogramme aus, die Kinder sollen dabei Verantwortung übernehmen und sich bei Interesse eigenhändig für die begrenzten Plätze eintragen. Überschätzen sie nicht ihr Kind. Sorgen sie für sichere Verhältnisse! Freuen sie sich, dass sie früh morgens ihresgleichen treffen, wenn sie wie im Schlussverkauf bei Gebäudeöffnung ins Gebäude stürmen um  ihre Kinder auf die Listen zu schreiben…
Wenn der Nikolaus kommt, sollte auch nicht jedes Kind gleich behandelt werden. Denken sie daran, dass ihr verwöhnter Nachwuchs seelische Qualen durchleben wird, wenn er sein Geschenk nicht rechtzeitig bekommt. Als großes Vorbild dient daher die Mutter, die auch hier tatkräftig zum Wohle des eigenen Kindes tätig wurde. Gut, die versammelten Kinder, die gerade ein Gedicht vortrugen, die anwesenden Eltern und nicht zuletzt der Nikolaus selbst schauten reichlich verwirrt, als sich diese Mutter währenddessen verzweifelt durch den prallen Geschenkesack kämpfte, getrieben von der Panik, ihre Tochter könnte ihr Geschenk nicht als erstes bekommen, um es dann mit einem triumphalen „Da ist es ja!“ dem völlig verdatterten Nikolaus in die Hand zu drücken…
Bildung ist ein hohes Gut. Da sollte man auch bei der Klassenlehrerwahl nichts dem Zufall überlassen. Geradezu vorbildlich und vorausschauend agierte hier eine Mutter, die rechtzeitig ein Jahr vor der Einschulung des Kindes schon mal die möglichen Klassenlehrer sondierte, um dann in regelmäßigen Abständen beim Schuldirektor vorbeizuschauen, damit auch alles wie von ihr angedacht verläuft…
Gibt es Teams oder Mannschaften gehen Sie den Verantwortlichen am besten so lange auf die Nerven, bis der eigene Nachwuchs den Platz sicher hat. Sind die Kinder eigentlich noch zu jung, sollten sie als Elternlobbyist erst dann zufrieden sein, wenn eine entsprechende Ausnahme durchgesetzt ist. Es ist doch schließlich für ihr Kind…
Dem Thema Schulweg sollten sie ebenfalls ihre absolute Aufmerksamkeit widmen. Da Lehrer ja grundsätzlich keine Ahnung von irgendwas haben, ist es ja fast schon verständlich, dass diese ihnen einreden wollen, die Kinder können den Schulweg nach den ersten Wochen in der 1. Klasse alleine laufen. Es ist unfassbar, wie geistig vernagelt und unflexibel unsere Pädagogen heutzutage sind. Daher hebe ich an dieser Stelle das leuchtende Vorbild eines Vaters hervor, der sich auch nicht durch das Gelächter der Klassenkameraden davon abbringen lässt, seinem Sohn noch in der 6. Klasse den Ranzen zu tragen und den Filius an der Hand auf den Schulhof zu führen – man weiß ja, wie gefährlich Schulwege sind. Das ist wahre Fürsorge!
Wenn sie diese Ratschläge befolgen, ist Ihnen der Eltern Olymp sicher und als erfolgreiche Helikopter-Eltern gehen sie jede Nacht mit dem beruhigenden Gefühl ins Bett, das Beste für ihr Kind gemacht zu haben!
Damit verschlafen sie glücklicherweise auch, dass sie ihrem Kind nichts alleine zutrauen, auch negative gemachte Erfahrungen und Enttäuschungen wichtige Erfahrungen für den Nachwuchs sind und auch Streitkultur zu lernen ist, denn später im Erwachsenenalter – sofern sie es jemals schaffen, loszulassen – kommt auch nicht mehr Mutti oder Papi, wenn es mal nicht läuft wie gewünscht…
Daher ein letzter, diesmal ernst gemeinter Tipp: Überlegen sie sich zweimal, ob sie wirklich alles für ihre Kinder regeln wollen oder ob ihr Kind mit ihrem notwendigen Vertrauen nicht eigene, bessere Erfahrungen machen wird…