G wie Geburt

Kein Papa Dasein ohne Geburt. Kannte „Mann“ das, was da vor sich geht, früher nur vom Hörensagen, so ist es heute selbstverständlich, dass der werdende Vater beim Moment, wenn der Nachwuchs das Licht der Welt erblickt, zugegen ist. Was heißt zugegen, im besten Fall unterstützt er nach Kräften.
Vielleicht sind sie vorbereitet, haben brav ihren Geburtsvorbereitungskurs gemacht, haben mitgehechelt und freuen sich jetzt auf die letzten Meter zu zweit, bevor jemand in ihr Leben tritt, der ihre Aufmerksamkeit – und die ihrer Frau – mit Haut und Haaren auffressen wird.
Für die Machos und Selbstdarsteller unter uns erst einmal die schlechte Nachricht, dass sich bei dem anstehenden Vorgang alle auf die werden Mutter stürzen und sich niemand für sie interessiert.  Und noch eine schlechte Nachricht. Wenn sie als Mann bislang glaubten, dem „starken“ Geschlecht anzugehören, dann werden sie, nachdem der Zwerg endlich da ist, sicherlich anderer Meinung sein. Denn wenn wir wehleidigen Männer uns ehrlich hinterfragen, ob wir die für die Geburt notwendige Power und dazugehörigen Schmerzen wirklich ertragen würden, da kommen mir doch ehrliche Zweifel. Müssten die Männer die Kinder kriegen, der Mensch wäre vermutlich bereits ausgestorben…
Legendär ist in diesem Zusammenhang auch die Geschichte, in der die junge Mutter wenige Stunden nach der Geburt ihren Mann im Rollstuhl durch das Krankenhaus schob. Er war während der Geburt kollabiert…
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, sie ist da, die Angst, dass man im entscheidenden Moment schlappmacht – und damit ist nicht der Zeugungsvorgang gemeint… Denn ehrlicherweise ist so eine Geburt auch für einen Mann eine Extremsituation. Zuerst das in die Klinik bringen: Da fließen bisweilen Sturzbäche an Schweiß vor Panik, nicht rechtzeitig hinzukommen – um dann festzustellen, dass die Hebammen erst einmal gepflegt chillen, weil aus deren Sicht noch überhaupt nichts passiert ist… Irgendwann geht es dann aber wirklich los. Wenn man nicht gerade Meister in der Bewältigung von Beziehungskrisen ist, muss man sich auch erst einmal daran gewöhnen, dass die Holde schreit oder kreischt. Überhaupt ist man bisweilen überrascht, zu welchen Lauten ein absolut vertrauter Mensch in der Lage ist…
Wichtig ist, in solchen Situationen braucht sie ihre Partnerin zu 100 Prozent. Damit ist gemeint, dass sie sie nicht hektisch mit der Handykamera rumfuchteln und jedes intimste Detail für die Nachwelt auf Video bannen sondern die werdende Mutter unter der Geburt so gut sie können unterstützen. Wenn es Ihnen irgendwie möglich ist, bleiben sie gelassen, werden sie nicht panisch, wenn nicht bei jedem Stöhner sofort ein Heer von Hebammen und Ärzten den Kreissaal flutet – die Leute wissen in der Regel, was sie tun und können die Situation meist auch viel besser einordnen als sie als erstgebärendes Paar.
Auch hier gilt im Übrigen die Kinder-Grundregel: Haben sie Geduld. Gerade die ersten Kinder lassen sich Zeit! Die Mädels müssen sich erst mal schön machen, die grobnotorischen Jungs sind vermutlich noch zu blöd, den Ausgang zu finden… Es kann also dauern, mitunter auch sehr lange… In manchen Krankenhäusern gibt es hierfür extra „Elternzimmer“, ausgestattet mit Musikanlage und Fernseher, in denen man zu zweit die Zeit vor der heißen Phase absitzen kann. Versuchen sie hier zumindest ein bisschen romantisch zu sein und maulen sie also nicht rum, wenn es dann genau während der Sportschau in den Kreissaal geht…
Die Vorgänge bei der Geburt sind auf jeden Fall ein guter Punkt, für mehrere Kinder zu plädieren. Denn wir sind zwar Männer, aber manchmal trotzdem lernfähig. Bei der zweiten Geburt ist einem quasi alles schon vertraut, die Handgriffe, mit der sie ihre Frau unterstützen können, die sitzen schon takko und die Unsicherheiten, die bei der ersten Geburt richtig Nerven gekostet haben, die sind wie weggeblasen.
Ein wahrer Profi ist man dann mit jeder weiteren Geburt: Da ist man so souverän, da hat „Mann“ dann auch schon mal Zeit, mit den Hebammen zu flirten…
Und dann ist es soweit. Der Nachwuchs ist endlich da! Sie dürfen die Nabelschnur durchschneiden und haben ab sofort einen Esser mehr am Tisch, plötzlich eine Haufen Verantwortung an der Backe, können ihre bisherigen Lebensabläufe in die Tonne treten – aber die Erleichterung ist trotzdem riesengroß und die Freude kaum zu beschreiben. Genießen sie es!