D wie Durchhalteparole

Mit dem Erscheinen des Nachwuchses schwebt die Kleinfamilie berechtigterweise erst einmal auf Wolke sieben. Die Akkus sind noch voll, die Vorsätze vorbildlich, die gemeinsame Zukunft kann kommen und sie wird natürlich wunderbar!
Wie in einer Partnerschaft auch ist dieser Zustand leider nicht von permanenter Dauer, irgendwann plumpst man leider von besagter Wolke und findet sich dann in der garantiert nicht langweiligen, allerdings manchmal auch ein wenig stressigen Realität wieder. Denn die stetige und rasante Entwicklung des Zöglings schreitet unaufhaltsam voran – und sie hat eine Menge an fiesen Errungenschaften an Bord, die sowohl das Kind und damit auch die Elternschaft quälen können…
Um eines direkt klar zu machen: Aussteigen ist nicht! Sie können das Kind also nicht einfach in eine Kiste packen und zu Amazon zurück schicken. Sie brauchen also eine andere Strategie, um mit dieser Situation klar zu kommen.
Die findige Elternschaft hat sich aus diesem Grund etwas ausgedacht, das die Überbrückung etwas schwieriger Betreuungs- und Erziehungsphasen bestmöglich unterstützt:
Die Durchhalteparole!
Jede Wette, sie werden es früher oder später – bewusst oder unbewusst – austesten:
Das Kind schreit erbärmlich? „Das geht vorbei!“,
Der Junior springt vor Wut diabolisch rum, dass Rumpelstilzchen vor Neid erblassen würde? „Das ist nur eine Phase!“
Das Töchterchen nörgelt pausenlos rum? „Das hört morgen auf!“
Seien wir mal ehrlich: Es kommt der Punkt, an dem man einfach nur noch genervt ist und man irgendwie nicht mehr so recht weiß, wie man das Ganze überhaupt aushalten soll. In den Situationen haut man dann am besten einen kleinen Muntermacher raus. Ihre Frau wird sie dann für ihren grenzenlosen Optimismus lieben. Da hätten wir dann schon mal an das Problem mit der Partnerschaft einen Haken gemacht und uns zumindest hier wieder auf Wolke sieben katapultiert  😉
Gemeinsam lassen sich die Problemchen mit der Jugend sowieso besser ertragen. Genau genommen ist das Elterndasein also nichts anderes als die Verkettung von permanenten Durchhalteparolen.
Die ersten Schreiattacken sind nur erträglich, weil man gewiss ist, dass der kleine Milchsauger sich erst mal an das irdische Dasein gewöhnen muss. Da sagt man sich. Das ist ganz normal, da geht vorbei. Dann kommen die Bauchschmerzen – selbstverständlich auch eine ganz normale Sache. Das Zahnen ist dann die nächste Stressphase, deren Ende wir uns herbeireden, wenn es mit dem Bernsteinkettchen wider Erwarten doch nicht funktioniert –  denn das kann dauern, das Milchgebiss fasst schließlich 20 Zähne…
Wachsen nicht die Zähne, wächst garantiert irgendwas anderes – aber da wissen wir ja auch, „es ist bald vorüber“. Das Kind ist unausstehlich und nöhlt den ganzen Tag nur rum:  Entwicklungsphase! Geht rum. Alles ist gut. In der Tat, alles geht irgendwie und irgendwann vorbei, sogar die Pubertät soll irgendwann mal vorbei sein…
Machen wir uns nichts vor: So süß die Kleinen sind, so glücklich sie uns machen, so unersetzlich sie mit ihrem Erscheinen sind – Eltern zu sein ist bisweilen schrecklich! Dieser Zustand der Familienentwicklung wird allerdings von den Medien und der Werbung durch den Wolke sieben Plüsch überdeckt. Wer will sich schon das Geschäft einer zahlungskräftigen Konsumentengruppe dadurch versauen, indem er die nackte Wahrheit erzählt..?
Die Kunst des Elterndaseins besteht daher also darin, dieser Wahrheit todesmutig ins Auge zu sehen und in der Zwischenzeit nicht zu einem Zombie zu mutieren. Denn alle diese Phasen kosten leider massig Energie. Schlafentzug, nervöses Nervenkostüm, ungesunde Lebensweise, sexuelle Enthaltsamkeit, fehlende Hobbys, was gibt es nicht alles, was einen manchmal daran zweifeln lässt, ob man wirklich Kinder will?
Wie schön, dass es daher so was wie Durchhalteparolen gibt! Sie geben uns die Sicherheit, dass wir das durchstehen können – und werden! Schließlich geht es allen Eltern so, und es ist extrem beruhigend, wenn man erfährt, dass es bei anderen auch total chaotisch zugeht. Und wenn wir uns mit dieser Erkenntnis gegenseitig etwas Mut zugesprochen haben, werden wir feststellen, dass das alles halb so schlimm ist. Die restliche Zeit – und davon gibt es zum Glück massig – können wir dann dafür nutzen, uns an und mit unseren Kindern zu freuen. Denn wenn sie nicht schreien, ausflippen, nörgeln oder wachsen, dann machen sie einfach unheimlich viel Spaß!